Deutsche Konzerne investieren in großem Stil
China-Pläne der Chemie bergen Risiken

China entwickelt sich für Europas Chemische Industrie zur größten Herausforderung in der anhaltend schlechten Branchenkonjunktur. Branchenkenner unterstreichen die Möglichkeiten, die sich für Unternehmen durch die Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern und durch den Aufbau eigener Kapazitäten in China ergibt. Doch steht dem die wachsende Konkurerwenz durch chinesische Hersteller entgegen, die an den Weltmarkt drängen.

DÜSSELDORF. „In der chinesischen Chemieindustrie stehen attraktiven Chancen bedeutende Risiken gegenüber“, meint Chemieexperte Sven-Uwe Vallerien, Mitglied der Geschäftsleitung der Unternehmensberatung AT Kearney. Denn im Rahmen des bis 2005 laufenden Fünfjahresplans strebe China nicht nur die Autarkie in der Versogung mit Chemieprodukten an, was ohne Beteiligung der großen westlichen Chemiekonzerne illusorisch ist. Die überwiegend staatliche Chemie, nach Berechnungen des deutschen Branchenverbandes VCI die viertgrößte der Welt knapp hinter Deutschland, ist vielmehr auch angehalten, durch Exporte Devisen in die Staatskasse zu bringen - und das geht vielfach nur auf Kosten der westlichen Chemiekonzerne, die gerade die Chemie des Landes modernisieren.

China ist derzeit mit weitem Abstand die Nummer eins im Foreign Direct Investment Confidence Index, der laufend von der Unternehmensberatung AT Kearney erhoben wird. Das Land, in dem die Politik ungeachtet der Gesetzeslage jederzeit die Rahmenbedingungen für Investments im allgemeinen oder für einzelne Projekte ändern kann, rangiert dabei mit wachsendem Vorsprung vor den USA, die in früheren Jahren die meisten Direktinvestitionen angelockt hatten.

So ist die Chemie neben der Automobilindustrie derzeit der Schwerpunkt ausländischer Direktinvestoren in China. Deutsche Konzerne liegen dabei nach Berechnungen der Unternehmensberatung Frost & Sullivan vorne: BASFwill bis 2005 knapp 6,5 Mrd. $ in chinesische Produktionsanlagen gesteckt haben, bei Bayer sind es derzeit fast 3,5 Mrd. $. Mit weitem Abstand folgen die US-Konzerne Dow Chemical (1,1 Mrd. $) und Dupont (700 Mill. $).

Dabei stoßen Großinvestitionen wie der 3-Mrd-$-Deal von BASF und Jangzi Petrochemicals zum Aufbau eines riesigen Polyolefinstandorts sowie vergleichbare Projekte von Dow, Shell, BP und Exxon absehbar auf Probleme: Zwar ersetzen sie chinesische Petrochemieanlagen, die ineffizient, veraltet und viel zu klein sind, wie es dert Leiter des Frost-Büros in Shanghai, Neil Wang berichtet. Doch an Petrochemieanlagen herrscht in der Welt kein Mangel. Sobald Chinas Polyolefin-Bedarf gedeckt ist, droht den teuren Anlagen Unterauslastung, wenn sie nicht mit Werken zur Weiterverarbeitung vorwärts integriert sind.

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