Deutsche Konzerne
Trügerischer Glanz

Deutsche Konzerne werden voraussichtlich auch dieses Jahr wieder Rekordgewinne einfahren. Damit profitieren sie vom anhaltenden Boom der Weltwirtschaft, die US-Konkurrenz hat das Nachsehen. Viele Unternehmen ernten jetzt die Früchte ihrer Umstrukturierungen – doch mit Blick auf 2008 wächst in deutschen Führungsetagen das Unbehagen.

DÜSSELDORF. Der Immobilienkrise und den Rezessionssorgen in den USA zum Trotz fahren Deutschlands Konzerne Rekordgewinne ein. In keinem anderen großen Industrieland steigen sie in diesem Jahr so rasant. Der Grund: Die Unternehmen profitieren ganz außergewöhnlich vom investitionsgetriebenen Boom der Weltwirtschaft. Doch mit Blick auf 2008 dürfte dieser Vorteil schwinden – und der Gewinnzuwachs der deutschen Unternehmen sich dem der europäischen und amerikanischen Konkurrenz angleichen.

Die 30 Unternehmen im Deutschen Aktienindex (Dax) haben im abgelaufenen dritten Quartal nach Berechnungen der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) ihre Nettogewinne um durchschnittlich mehr als 20 Prozent gesteigert. „Nach drei Quartalen fahren die Unternehmen damit bereits 80 Prozent ihres Jahresgewinns ein“, sagt LBBW-Experte Michael Köhler.

Die Konsequenz: Bisherige Prognosen fürs Gesamtjahr, wonach die Dax-Firmen auf ein Plus von 20 Prozent kommen – das ist fast dreimal so viel, wie die Großkonzerne in Europa und den USA verdienen –, dürften eher zu tief als zu hoch greifen. Böse Überraschungen wie in den USA sind angesichts der guten Auftragslage und hohen Nachfrage im Ausland weit und breit nicht in Sicht.

Zwar erklärt sich die außerordentliche Stärke im dritten Quartal auch mit Sondereffekten, die sich zumindest in diesem Umfang so schnell nicht wiederholen dürften. So treiben allein Eon und VW das Gesamtplus der Dax-Firmen um fast zehn Prozentpunkte. Der Energieriese dürfte netto 700 Mill. Euro erlösen, nachdem im Vorjahr wegen der außerordentlichen Bewertung von Handelsderivaten noch ein Minus von 200 Mill. Euro zu Buche geschlagen hat. Bei den Wolfsburgern winken nach einem Miniplus von 23 Mill. Euro nun 770 Mill. Euro. Vor einem Jahr belasteten umfangreiche Restrukturierungen das Ergebnis.

Doch ebensolche Umstrukturierungen sind ein ganz wichtiger Gewinntreiber. Für Daimler und Volkswagen, die heute und morgen ihre Quartalszahlen veröffentlichen, erwarten die Analysten ein kräftiges Jahresplus. Ursache sind keineswegs explodierende Umsätze. Im Gegenteil: Die höhere Mehrwertsteuer, das teure Benzin und die CO2-Diskussion lassen im Heimatmarkt die Absätze sogar sinken. Aber: Die Firmen ernten jetzt die Früchte ihrer umfangreichen Restrukturierungen.

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