Deutsche Lebensmittelhersteller verzichten vorerst auf Gentechnik
Namhafte Produzenten beugen sich Druck der Verbraucherschützer

Auch nach dem Stichtag 18. April 2004, ab dem in Europa die erweiterte Kennzeichnungspflicht gilt, plant derzeit kein namhafter Hersteller den Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) in der Nahrungsmittelproduktion. „An unserer Kennzeichnung auf den Verpackungen wird sich überhaupt nichts ändern“, heißt es bei Nestlé Deutschland. Auch August Oetker, Chef des Oetker-Konzerns, bestätigt dem Handelsblatt: „Wir verwenden weiterhin ausschließlich konventionelle Rohwaren.“

HB/ire DÜSSELDORF. Verbraucherschützer hatten damit gerechnet, dass die Industrie im Frühjahr die ersten gentechnisch veränderten Lebensmittel auf den deutschen Markt bringen würde. Das konnten Umweltschützer von Greenpeace verhindern: Bereits im Vorfeld hatten sie fast sämtlichen bedeutenden deutschen Markenherstellern und Handelsketten das Versprechen abgerungen, auf Gentechnik zu verzichten. Auch der Handelskonzern Metro lenkte zum Jahreswechsel nach mehr als 100 Protestaktionen vor seinen Real- und Cash&-Carry-Märkten schließlich ein und erklärte, dass auch seine Handelsmarken nach dem Stichtag gentechnikfrei bleiben würden.

Besonders bemüht um gentechnikfreie Kost hat sich der Nahrungsmittelmulti Nestlé, der bereits 1999 mit seinem gentechnisch veränderten Schokoriegel „Butterfinger“ Schiffbruch erlitten hatte. Als „gebranntes Kind“ verwendet Nestlé eigenen Angaben zufolge etwa bei der Produktion von Maggi-Soßen und Nesquick-Kakaopulver seit drei Jahren nur noch Sojaprodukte, die nicht mit gentechnisch veränderten Stoffen in Berührung kommen. Doch Greenpeace lässt nicht locker und stellt den weltgrößten Nahrungsmittelkonzern in seinem Einkaufsratgeber „Essen ohne Gentechnik“ weiter an den Pranger. Nestlé weigere sich, eine komplette Garantie für sämtliche Vorstufen der Produktion abzugeben, monieren die Umweltschützer. Rein rechtlich befindet sich Nestlé jedoch auf der sicheren Seite: Auch nach dem Stichtag sieht der Gesetzgeber für tierische Rohstoffe wie Fleisch, Milch und Eier keine Kennzeichnung vor.

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