Deutsche Qualitätsmängel fallen auch im Ausland auf
„Made in Germany“ hat gelitten

Auch im Ausland hat der einstmals gute Ruf der Ingenieurtechnik aus Deutschland gelitten. Mit Problemen kämpft deutsche Spitzentechnik im chinesischen Schanghai, wo seit dem Jahreswechsel die Magnetschwebebahn Transrapid fährt. Im Juli wurde bekannt, dass im Testbetrieb auf der 1,2 Mrd. Euro teuren Strecke Teile der Verkabelung schmorten.

mg/and/je/cnPEKING/LONDON/PARIS. Die in Deutschland entwickelte Technik, im Emsland in eher gemütlicher Atmosphäre getestet, wurde in Schanghai im 10-Minuten-Takt sowie bei Gegenverkehr und extremem Klima härtesten Bedingungen ausgesetzt, denen sie nicht gewachsen war. Berichte über hohe Konventionalstrafen für das deutsche Konsortium wurden von der Stadtregierung dementiert. Konsortialführer Thyssen-Krupp gestand ein, es habe „ein Problem mit der Kabelwicklung des Motors“ gegeben. Chinas Eisenbahnministerium ist inzwischen der Meinung, der Transrapid sei eine „ungetestete“ Technologie.

Besonders die deutschen Autohersteller müssen aufpassen, dass ihr Ruf im Ausland nicht unter die Räder kommt. Mercedes-Fahrzeuge haben in den USA nach drei Jahren mehr Mängel als die deutlich weniger geschätzte Schwestermarke Chrysler. Zu diesem Ergebnis kommt die US-Marktforschungsfirma J.D. Power. Die Firma befragte 55 000 Käufer des Modelljahrgangs 2000 nach typischen Mängeln, die nach drei Jahren auftreten können.

Japanische Fahrzeuge wiesen die geringste Mängelhäufigkeit auf. Überraschend war nicht nur die starke Verbesserung amerikanischer Marken, sondern das schlechte Abschneiden der Europäer, die im Schnitt deutlich mehr Mängel aufwiesen als die US-Konkurrenz. Von den deutschen Herstellern behauptete sich lediglich Porsche in der Spitzengruppe, auch BMW war besser als der Branchendurchschnitt.

Mit durchschnittlich 318 Problemen pro 100 Fahrzeugen lagen Mercedes-Benz und Audi unter dem Durchschnitt der US-Marken. Vor allem M-Klasse und E-Klasse von Mercedes zeigten erhebliche Mängel. Volkswagen rangierte unter den fünf Marken mit der schlechtesten Qualität. Fahrer des Golf-GTI meldeten 465 Mängel. Nur die koreanischen Marken Daewoo und Kia lagen schlechter.

Auch aus Großbritannien kommen Klagen über schlechte deutsche Autos. Im August enthüllte ein führendes britisches Verbrauchermagazin, dass deutsche Autos „nicht zuverlässig“ seien. In der Umfrage wurden 138 Modelle verglichen, dabei landeten die deutschen Marken weit abgeschlagen hinter den asiatischen oder amerikanischen Herstellern.

Auf dem europäischen Kontinent steht es um den Ruf der deutschen Ingenieure auf jeden Fall besser – obwohl es so mancher französische Manager auf nachlassende Wettbewerbsfähigkeit zurückführt, dass es in Deutschland beispielsweise keine international leistungsfähige Unterhaltungsgeräte-Industrie mehr gibt.

In Italien hingegen überwiegt sogar noch das Lob für die Technik aus Deutschland. Wer beruflichen Erfolg demonstrieren will, fährt den Porsche Cayenne oder einen S-Klasse Mercedes. Unternehmer, die geschäftlich mit Deutschland zu tun haben, winken bei der Frage nach Imageproblemen ab. So sagt Andrea Pininfarina, Chef des gleichnamigen Turiner Autodesign-Unternehmens: „Deutschland bleibt in vielen Sektoren führend. Zuverlässigkeit und Qualität sind oftmals einzigartig.“ Einzige Erklärung für das Lob aus dem Süden – in Italien muss es manchmal noch schlechter zugehen als zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%