Deutsche Rückendeckung für Enders
Tauziehen um die neue EADS-Führung

Eine Woche vor dem deutsch-französischen Gipfeltreffen über die Zukunft der EADS ringen beide Seiten heftig über die Führungspersonalie. Mehrere Medien berichteten am Wochenende, dass der Deutsche Tom Enders künftig alleine die Führung des Luft- und Raumfahrtkonzerns übernehmen wird.

fas MÜNCHEN. Derzeit bildet leitet Enders den Konzern gemeinsam mit dem Franzosen Louis Gallois. Im Gegenzug könnten der Verwaltungsratsvorsitz und der Chefposten der wichtigsten Konzerntochter Airbus von Franzosen besetzt werden, heißt es. Industriekreisen vom Wochenende zufolge ist aber zwischen den Großaktionären noch keine Entscheidung gefallen.

Die Großaktionäre – der französische Medienkonzern Lagardère, der französische Staat und Daimler-Chrysler – beraten seit Wochen, wie Europas größter Luft- und Raumfahrtkonzern künftig effektiver geführt werden kann. Die Gründungsaktionäre, die sich mit dem im Jahr 2000 geschlossenen Aktionärspakt die alleinige Unternehmensführung gesichert haben, sind sich zumindest in einem Punkt einig: Die paritätisch besetzte Doppelspitze in Vorstand und Verwaltungsrat soll weg, die Machtbalance zwischen Deutschland und Frankreich aber gewahrt bleiben. Die Rollenverteilung in dem Machtspiel ist bei EADS eine altbekannte: Während der französische Staat auf mehr Einfluss drängt, verweigert sich vor allem der deutsche Großaktionär Daimler-Chrysler. Keiner der Großaktionäre wollte sich am Wochenende äußern.

Entscheidungen könnten am 16. Juli auf einem deutsch-französischen Gipfeltreffen im Airbus-Hauptquartier in Toulouse fallen. Der neue französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat das Treffen mit Bundeskanzlern Angela Merkel in die Zentrale der EADS-Flugzeugtochter verlegt, um mit der Kanzlerin die Streitfragen zu besprechen. Dabei hat Deutschland – anders als Frankreich – keine Aktien von EADS und damit auch keinen unmittelbaren Einfluss. Allerdings steht die Bundesregierung seit Wochen in intensivem Kontakt mit dem deutschen Großaktionär Daimler-Chrysler.

Daimler und Merkel geben dem deutschen Vorstandschef Enders demonstrativ Rückendeckung und untermauern seinen Anspruch auf die alleinige EADS-Führung, wenn die Doppelspitze fällt. Laut „Spiegel“ haben die Franzosen bereits Zustimmung für Enders als alleinigem EADS-Chef signalisiert. Französische Medien kürten hingegen in der vergangenen Woche den französischen Chef Gallois zum Sieger.

Enders ist in Frankreich nicht unumstritten. Der einstige Chef der Rüstungssparte hat 2005 den Vorstandsvorsitz gemeinsam mit Noël Forgeard angetreten. Beide misstrauten sich zutiefst. Nachdem im Juni 2006 die Lieferpannen beim Riesenairbus A380 öffentlich wurden, kam es zum offenen Bruch. Forgeard stolperte über Aktienoptionen, der ehemalige Chef der französischen Eisenbahnen Louis Gallois übernahm Forgeards Posten. Enders blieb im Amt und baute seine Position aus. Der energische Deutsche setzte mit Rückendeckung von Daimler-Chrysler eine ganz enge Anbindung von Airbus an den Mutterkonzern EADS durch. Das französisch dominierte Airbus-Management fühlte sich immer wieder von Enders und Daimler gegängelt.

Einen langen Führungsstreit kann sich EADS nicht leisten. Die Flugzeugtochter Airbus steckt in einer schwierigen Sanierungsphase. Bis 2010 sollen von den 56 000 Jobs in Europa 10 000 gestrichen werden, mindestens sechs Werke stehen zum Verkauf oder sollen in Partnerschaften eingebracht werden. Gleichzeitig soll die Fertigung sämtlicher Airbus-Modellreihen in den kommenden Monaten gesteigert werden. Airbus hat Bestellungen für mehr als 200 Milliarden Euro.

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