Deutsche Tochter
Die Schwachstelle heißt Opel

Die Geschäfte in Europa und bei Opel laufen für General Motors noch schlechter als erwartet. Die Uhr tickt für Opel indessen unüberhörbar. Der Mutterkonzern fordert eine schnelle Sanierung in Rüsselsheim. Insider mahnen: Die Geduld in Detroit ist begrenzt.
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FRANKFURT. Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz schwant nichts Gutes. "Es wird für Opel schwieriger, wenn GM an die Börse geht", sagt der oberste Arbeitnehmervertreter von GM in Europa. "Der Druck wird dramatisch zunehmen." Auch Opel-Boss Nick Reilly weiß, was die Stunde geschlagen hat. "Selbstverständlich erwartet der Mutterkonzern, dass wir Resultate vorlegen", räumte er jüngst im Handelsblatt-Interview ein. "Wir müssen zeigen, dass die Grundlage unseres Geschäftsplans tragfähig ist - und das möglichst bald." Doch davon ist bei Opel bisher nichts zu erkennen. Das Rüsselsheimer Unternehmen hat seinen operativen Verlust im dritten Quartal verdreifacht. Damit schreibt das Europa-Geschäft als einzige GM-Region weltweit rote Zahlen. Der Gesamtverlust in den ersten neun Monaten summiert sich in Europa auf 1,2 Mrd. Dollar.

Die Geschäfte in Europa und bei Opel laufen damit noch schlechter als erwartet. Für die Marken Opel und Vauxhall wies GM für das dritte Quartal einen Rückgang der Verkaufszahlen auf 272 000 Fahrzeugen aus, nach 299 000 vor Jahresfrist. In den ersten neun Monaten sank der Absatz auf 881 000 von 944 000. Der Marktanteil von GM Europa ging auf 8,9 zurück, nach 9,0 Prozent vor Jahresfrist.

Damit tickt die Uhr für Opel unüberhörbar. GM-Chef Dan Akerson stellte vor wenigen Tagen zwar klar: "Wir setzen unseren Sanierungsplan in Europa um." Aber der neue Konzernchef wünscht sich eine schnellere Sanierung. Konzerninsider sagen: "Die Geduld in Detroit ist begrenzt." Reilly, seit Januar auf dem Opel-Posten und seit 30 Jahren im Konzern, kämpft gegen die Zeit. Der Geschäftsplan sieht Gewinne erst im Jahr 2012 vor. 2011 soll nur eine schwarze Null eingefahren werden. Doch die Geduld der künftigen Investoren ist begrenzt. Das Europageschäft sei beunruhigend, "eine Bremse", sagte Mirko Mikelic, der bei Fifth Third Asset Management 18 Mrd. Dollar verwaltet. Der Autokonzern solle seine Assets lieber in wachsende Märkte umleiten, fordert er: "Je schneller, desto besser."

Nach wie vor steckt Opel in der schwersten Krise seiner Geschichte. Alle anderen deutschen Hersteller - Volkswagen, Audi, Mercedes und BMW - melden wieder hohe Gewinne. Opel hingegen profitierte bislang nicht vom Aufschwung. Das liegt vor allem daran, dass Opel kaum Exportgeschäft außerhalb Europas hat. Reilly will das ändern und mit Opel künftig in China, Australien und Indien vorfahren - doch schnelle Erfolge sind hier nicht zu erwarten. Und so kämpft der Hersteller mit Überkapazitäten und will europaweit 8 000 Stellen abbauen, davon weniger als die Hälfte in Deutschland. Reilly begründete den hohen Quartalsverlust mit Restrukturierungskosten, Wechselkurseffekten zum britischen Pfund und der Tatsache, dass das dritte Quartal wegen der Sommerferien traditionell das schwächste sei: "Klammert man diese Effekte aus, verzeichnen wir aber immer noch einen Verlust, da unsere Kosten noch höher als die Erträge sind."

Für den neuen GM-Konzern ist Opel damit die größte operative Schwachstelle. Wegen der GM-Insolvenz ist in der Opel-Zentrale vieles liegengeblieben. Es gab kaum Geld, um Projekte voranzutreiben. Insider schätzen, dass Opel bei seinen Modellen eine Lücke von zwei Jahren hat. Hoffnungsträger wie der neue Kompaktwagen Astra wurden auf dem wegen der Abwrackprämie leergefegten Markt auch nicht zum Retter. Entwarnung gibt Betriebsratschef Franz deshalb nicht. Er erwartet, dass auch 2011 ein "sehr hartes Jahr" für Opel wird.

Kommentare zu " Deutsche Tochter: Die Schwachstelle heißt Opel"

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  • Opel zahlt für die Patente auch seiner eigenen ingenieure über 500 Millionen Euro.

    Die Verluste sind damit nur Pseudoverluste zum einen um keine Steuern in europa zu zahlen, um anderen entsprechenden Druck aufzubauen Kosten zu senken mit Arbeitsplatzabbau.

    Das amerikanische Managementmodell mit 3-Monatsplanung hat schon lange seinen Zenit überschritten.

    Die fehlende höhere Spritbesteuerung führt in den USA zu den falschen Autos, die sich weltweit kaum absetzen lassen und zu unnötig hohen Energieimporten mit negativer Handelsbilanz führen.

    Die sehr guten Opel-Autos sind deswegen in den USA zu klein und zu teuer.

    Nur wer langfristig plant und dies dann auch gut durchführt, kann heutzutage im chinesisch-indischen Jahrhundert überleben.

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