Deutsche Unternehmen bieten gegen zwei US-Hersteller
MAN mischt beim Poker um britischen Milliardenauftrag mit

Die beiden großen deutschen LKW-Hersteller MAN und Mercedes-Benz kämpfen um einen Milliardenauftrag in Großbritannien. Wie das Londoner Verteidigungsministerium dem Handelsblatt bestätigte, soll der Kauf von rund 8 000 Transportfahrzeugen „in Kürze“ bekannt gegeben werden.

LONDON. Der Auftrag im Gesamtwert von bis zu 3 Mrd. Pfund (4,5 Mrd. Euro) ist für die Branche eine seltene Chance: Es ist die größte militärische LKW-Bestellung in Europa seit Mitte der siebziger Jahre. Vor allem der MAN-Gruppe werden gute Chancen eingeräumt. Allerdings müssen die deutschen Bewerber starke US-Rivalen ausstechen, allen voran den Hersteller Oshkosh Truck Corp. Dieser beliefert bereits die britische Armee mit Fahrzeugen. Geboten hat auch die US-Firma Stewart & Stevenson (S&S).

Der Auftrag wird als hochpolitisch und besonders prestigeträchtig eingestuft. Das Geschäft ist so wichtig, dass die Daimler-Tochter Mercedes eigens das neue Transportermodell S-2000 entwickelt hat.

Vor allem aber für den Münchener MAN-Konzern soll der britische Auftrag die Auftragseingänge im EU-Ausland wieder nach oben bringen. Im vergangenen Jahr hatte der Hersteller auf der Insel bereits bei der Umrüstung der Londoner Busflotte das Nachsehen: 300 neue Busse im Wert von 90 Mill. Euro bestellten die Briten bei Mercedes.

Es steht also viel auf dem Spiel. So will man sich weder bei Mercedes noch bei MAN offiziell äußern. „Wir sind aber sehr zuversichtlich, dass wir den Auftrag bekommen“, heißt es jedoch im MAN-Umfeld. Der Konzern würde damit endlich auch die Übernahme des im März 2000 gekauften britischen LKW- Herstellers ERF zum Erfolg führen.

Sowohl Oshkosh als auch MAN locken das britische Ministerium mit der Endmontage in Großbritannien – und mit rund 550 Arbeitsplätzen. Zudem könnten Tausende von Zulieferjobs entstehen. Der US-Hersteller plant, für die Montage seinen Standort in Südwales auszubauen. MAN will nach Informationen des Handelsblatts sein Werk in Middlewich (Cheshire) nutzen. Dort könnten mit dem Auftrag weitere 350 Arbeitsplätze erhalten werden. S&S hat sich mit der britischen Firma LDV – ein Kleinbushersteller aus Birmingham – zusammengetan, um die nationale Karte spielen zu können.

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