Deutsche Vorbehalte gegen ein Zusammengehen der beiden Konzern
Paris forciert Fusion von EADS und Thales

Die Planspiele um eine Übernahme des französischen Rüstungskonzerns Thales durch den größeren Konkurrenten EADS schlagen in Deutschland hohe Wellen. Das Thema werde heute auch auf dem Treffen von Wirtschaftsminister Wolfgang Clement mit dem französischen Finanzminister Nicolas Sarkozy im Rahmen der Arbeitsgruppe Wirtschaftskooperation in Berlin erörtert, sagte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums.

ebe/huh/tom HB DÜSSELDORF. Dass es Frankreich Ernst meint mit dem Projekt, daran bestehen inzwischen kaum noch Zweifel. „Es gibt eine Diskussion darüber, EADS und Thales zusammenzubringen“, hieß es gestern in französischen Regierungskreisen. Auch an den Börsen wird ein Übernahmeangebot von EADS für möglich gehalten. Seitdem in der Vorwoche entsprechende Spekulationen auftauchten, kletterten Thales-Aktien deutlich in die Höhe. Der französische Staat ist mit 31,3 Prozent an Thales beteiligt.

Die deutsche Seite des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns, die auf eine gleichberechtigte Partnerschaft mit den Franzosen drängt, fürchtet aber um ihren Einfluss, sollte Paris mit der angedachten Fusion Ernst machen. „Das würde zu einer klaren Verschiebung der Gewichte nach Frankreich führen“, sagte ein Branchenberater dem Handelsblatt.

Mit dem Zusammengehen von EADS (Umsatz rund 32 Mrd. Euro) und Thales (Umsatz 11 Mrd. Euro) würde ein europäischer Rüstungs- Riese entstehen. Allerdings wäre dies auch auch eine massive Stärkung der französischen Seite, weil die Kontrolle des EADS-Verteidigungsgeschäfts von München nach Paris abwandern würde. Derzeit erzielt EADS in diesem politisch brisanten Sektor rund ein Drittel des Umsatzes in Deutschland.

Eine Zustimmung der deutschen Seite, die über Daimler-Chrysler mit knapp 30 Prozent an EADS vertreten ist, wird deshalb schwierig. Frankreich und die Lagardère- Gruppe halten an EADS ebenfalls gut 30 Prozent der Anteile. Voraussetzung für einen Zusammenschluss ist grundsätzlich, dass sich das Verhältnis von deutschen und französischen Anteilen nicht verschiebt. Dazu seien bereits Modelle aufgestellt worden, heißt es in der Branche. Diese ließen sich aber nun nicht mehr kurzfristig umsetzen, da der Kurs der Thales-Aktie wegen der Spekulationen stark steigt.

Analysten halten eine Fusion indes für sinnvoll, obwohl EADS grundsätzlich nur an Teilen von Thales interessiert ist. Eine große Dopplung von Aktivitäten ergebe sich aber nicht, außer zum Beispiel in der militärischen Flugelektronik. Beide Konzerne arbeiten dafür in vielen Bereichen zusammen, so bei AGS, dem künftigen Nato-Radarsystem zur Bodenüberwachung, bei Führungssystemen oder im Raketenbau. „Ein Problem werden die Thales-Aktivitäten in Großbritannien sein“, schätzt Alexandra Ashbourne von Ashbourne Beaver Associates. Thales ist federführend an großen britischen Rüstungsprojekten wie dem neuen Flugzeugträger und dem Drohnenprogramm Watchkeeper beteiligt. Die Zustimmung Londons zu einem Eigentümerwechsel sei fraglich, sagt Ashbourne. „Thales müsste dann seine britische Tochter abspalten.“

Offen bleibe im Zuge einer Übernahme auch die Zukunft der zivilen Thales-Aktivitäten. Der Konzern stellt zum Beispiel Verkehrsleitsysteme her oder Maschinen zum Lesen von Geldkarten. Industriekreise sehen auch die starke Position von Thales als Zulieferer im Elektronikgeschäft kritisch. EADS sehe sich nicht in dieser Rolle, heißt es, und müsse sich mittelfristig im Falle einer vollständigen Übernahme von den Thales-Bereichen trennen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%