Deutsche Wintershall
Gasförderung per Fernbedienung

Die deutsche Wintershall läutet in der Nordsee ein neues technologisches Zeitalter ein: Gasförderung per Fernbedienung. 14 ihrer ferngesteuerten Stahlriesen, die jeder mehrere tausend Tonnen wiegen, sind völlig menschenleer. Der Grund für die Vereinsamung: Kosten und Sicherheit.

DEN HELDER. Dirk de Haan sieht nicht aus wie ein Ölarbeiter. Sein Gesicht ist nicht gegerbt von Nordseestürmen, seine Hände sind nicht gezeichnet von Stahl und Salzwasser. Jetzt, mitten bei der Arbeit, trägt de Haan nicht einmal einen ölverschmierten Schutzanzug. Der Mittdreißiger sitzt vollkommen trocken auf einem gepolsterten Stuhl vor zehn Bildschirmen und schiebt seine Computermaus hin und her. Aber 80 Kilometer entfernt, draußen auf dem Wasser, setzen sich mehrere Tonnen Stahl in Bewegung.

„Das hier ist die Zukunft“, sagt Richard Vermeule, der Chef von de Haan. Seit mehr als drei Jahrzehnten arbeitet Vermeule in der Öl- und Gasbranche. Er hat für seinen Arbeitgeber, die BASF-Tochter Wintershall, schon in den unwirtlichsten Gegenden der Welt nach dem Rohstoff gesucht, ohne den die Welt nicht mehr auskommt. Seit Juni führt er Aufsicht über das wohl fortschrittlichste Projekt der ganzen Branche: Gasförderung per Fernbedienung

18 der 26 Wintershall-Förderanlagen in der Nordsee werden aus dem RCO-Center im holländischen Den Helder betrieben. RCO steht für „Remote Controlled Operations“ und ist genau so gemeint. 14 der ferngesteuerten Stahlriesen, die jeder mehrere tausend Tonnen wiegen, sind völlig menschenleer. Auf den vier Hauptplattformen werkeln zwar noch ein paar Spezialisten, aber ein Besucher muss lang suchen, bis er sie auf den 80 Meter hohen Anlagen entdeckt.

Der Grund für die Vereinsamung: Kosten und Sicherheit. Noch vor 15 Jahren tummelten sich zu jeder Zeit 25 Mitarbeiter auf jeder Plattform. Für Wintershall hieß dies: 50 Posten auf der Gehaltsliste, denn eine Förderplattform steht nie still und eine Besatzung kehrt nach einer Woche auf See für eine Woche zurück an Land.

Heute sehen die Einsatzpläne auf der Nordsee völlig anders aus. Die Hauptplattformen sind mit sieben Mitarbeitern besetzt, inklusive Stewart und Koch. Auf den 14 unbemannten Stationen fliegt ein Mal im Monat eine Wartungscrew mit dem Hubschrauber vorbei. Alles andere läuft per Mausklick vom Festland.

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