Deutscher Autokonzern setzt in den USA auf Diesel
Daimler-Chrysler poliert sein Umweltimage auf

Der Fortschritt beginnt mit einer Panne. Bei mehr als 30 Grad im Schatten fällt im Daimler-Chrysler-Bus ausgerechnet die Klimaanlage aus. Das extra eingeflogene Fahrzeug soll seine Passagiere in Washington zum Innovationssymposium des deutschen Autokonzerns bringen. „Ein Ersatzteil wurde geklaut“, erklärt der verschwitzte Fahrer. Zum Glück ist die Fahrt zum Convention Center nur kurz. Und durch die unfreiwillige Konservierung ist die Umwelt- und Energiebilanz des Trips unschlagbar. Wird der Bus doch bereits mit einer Brennstoffzelle betrieben und fährt somit schadstofffrei.

WASHINGTON. „Daimler zeigt seine Stars and Stripes“, heißt das Motto der Veranstaltung in der amerikanischen Hauptstadt. Zeigen will der Autobauer vor allem, dass er keine Kosten und Mühen scheut, um die Umwelt zu schützen und die so teuer gewordene Energie zu sparen. Da trifft es sich gut, dass der US-Kongress gerade über ein neues Energiegesetz berät, das die Natur schonen und das Land von Öleinfuhren unabhängiger machen soll. Konzernchef Jürgen Schrempp hat deshalb auch nur Zeit für ein paar warme Begrüßungsworte – ein Senator wartet schon auf den Chairman aus Deutschland. Immerhin verkündet Schrempp noch, dass sein Unternehmen in den kommenden fünf Jahren rund 40 Mrd. Dollar in Nordamerika investieren will.

Ein Teil dieser riesigen Summe, das erklärt später Chrysler-Chef Dieter Zetsche, werde in die Entwicklung neuer Fahrzeug mit Dieselantrieb gesteckt. „Wir wollen uns in Amerika als Diesel-Vorreiter positionieren“, sagt der US-Statthalter des Weltkonzerns selbstbewusst. Mit dieser Ankündigung setzt Daimler ganz bewusst auf seine jahrelange Erfahrung in der Dieseltechnologie. Zugleich macht der Autobauer aus der Not aber auch eine Tugend. Sind die Stuttgarter von der Euphorie der Amerikaner für Hybridfahrzeuge doch überrascht worden und fahren jetzt der japanischen Konkurrenz hinterher. Beim Hybridantrieb wird der normale Verbrennungsmotor durch ein Elektroaggregat unterstützt.

Vor allem Toyota, aber auch Honda setzen voll auf diesen Trend und haben in den USA bereits mehrere Hybrid-Modelle auf dem Markt. Chrysler zieht erst 2007 mit dem „Dodge Durango“ nach. Gekauft werden die Fahrzeuge vor allem von umweltbewussten US-Bürgern mit einer ausreichend gefüllten Brieftasche. Kosten die Umweltautos doch bis zu 4 000 Dollar mehr als die herkömmlichen Fahrzeuge. Bei einem Benzinpreis von mehr als zwei Dollar pro Gallone (3,7854 Liter) kommen jedoch immer mehr Amerikaner ins Nachdenken. So rechnen die Marktforscher von J.D. Power in diesem Jahr mit einem Absatz von 200 000 Hybrid-Fahrzeugen in den USA.

Zetsche ficht der Hybrid-Boom nicht an. Er sieht vielmehr einen „eindeutigen Trend zum Diesel“. Sowohl US-Präsident George W. Bush als auch der Kongress in Washington stünden der Technologie positiv gegenüber. Der Chrysler-Chef hofft jetzt auf eine staatliche Förderung für Diesel-Käufer im neuen Energiegesetz. „Das hätte ich vor zwei Jahren nicht für möglich gehalten“, sagt Zetsche. Der Chrysler-Chef erinnert sich noch sehr gut daran, dass die Amerikaner vor nicht allzu langer Zeit Dieselautos als „Dreckschleudern“ verteufelt haben.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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