Deutscher Großanlagenbauer
Gazprom zeigt Interesse an Lurgi

Der russische Energiekonzern Gazprom ist an einer Übernahme des deutschen Großanlagenbauers Lurgi interessiert. Ein Sprecher der Lurgi-Muttergesellschaft Gea bestätigte gegenüber dem Handelsblatt, dass Gazprom angefragt habe. Aufgrund der Marktführerschaft bei Bioethanol gilt der Großanlagenbau des Gea-Konzerns gilt als attraktive Gesellschaft.

DÜSSELDORF/FRANKFURT/MOSKAU. Gea will den Bereich Großanlagenbau, zu dem neben Lurgi auch die Gesellschaften Lentjes und Zimmer gehören, verkaufen und sich auf den Spezialmaschinenbau konzentrieren. Deshalb hat der Vorstand diese Woche an Interessenten Informationen verteilt und um Angebote gebeten. Neben Gazprom haben sich laut Gea-Chef Jürg Oleas noch knapp zwei Dutzend Unternehmen aus den Branchen Anlagenbau, Industriegase, Chemie, Mineralöl aber auch Finanzinvestoren gemeldet. Ein Gazprom-Sprecher wollte ein Interesse allerdings nicht bestätigen.

In einer zweiten Phase will der Vorstand dann mit einem kleinen Kreis Preisverhandlungen führen. „Bis Ende des Jahres werden wir den Partner finden“, sagte Gea-Chef Oleas vor Journalisten in Düsseldorf. Im ersten Quartal 2007 sollen dann die Verkaufsverhandlungen abgeschlossen werden.

Lurgi gilt als Weltmarktführer für Anlagen zur Herstellung von Bioethanol und ist deshalb für einen Energiekonzern wie Gazprom besonders attraktiv. „Dies böte den Zugang zur Herstellung alternativer Energien“, sagt Analyst Erhard Schmitt von Helaba Trust. „Ein Interesse besteht bei Gazprom auf jeden Fall.“ Lurgi erlebt wegen dieser Technologien zur Zeit einen wahren Auftragsboom. Der Auftragseingang beträgt bereits 1,2 Mrd. Euro in diesem Jahr gegenüber 730 Mill. Euro im gesamten Jahr 2005.

Gazprom sucht seit einiger Zeit nach Investitionen in Westeuropa. Unter anderem lotet das Unternehmen offenbar auch einen möglichen Einstieg beim Energiekonzern RWE aus. Gazprom-Chef Alexej Miller macht keinen Hehl daraus, dass der Produzent, der über rund ein Viertel der weltweiten Gasreserven verfügt, auch in Westeuropa Fuß fassen will. Im vergangenen Jahr hatten Gazprom-Manager wiederholt Interesse am britischen Energiekonzern Centrica geäußert. Auch wird schon seit längerem über einen Einstieg bei deutschen Versorgern spekuliert. Gazprom ist bereits in einem Joint Venture mit der BASF am deutschen Gasimporteur Wingas beteiligt. Vor einigen Wochen hatte der russische Konzern für Schlagzeilen gesorgt, als er Hauptsponsor des Fußballclubs Schalke 04 wurde. Dies wurde als Teil einer langfristig angelegten Imagekampagne gedeutet, um auf dem deutschen Markt Fuß fassen zu können.

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