Deutscher Tesla-Chef Schröder
Echte Elektro-Förderung statt Papierkrieg

Nur eine finanzielle Förderung der Elektromobilität in Deutschland wird es heimischen Autobauern ermöglichen, sich im Wettbewerb zu positionieren, meint der deutsche Tesla-Chef Schröder. Ein Gastkommentar.
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BerlinDas Ziel der Bundesregierung ist ambitioniert: Die Schaufensterpolitik und das E-Mobilitätsgesetz sollen in den nächsten vier Jahren knapp eine Million elektrische Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen bringen, ein Ziel, das dem ureigenen Interesse der deutschen Automobilindustrie dient.

In diesem globalen Zukunftsmarkt, der Elektromobilität, soll Deutschland von Anfang an Taktgeber für Standards und die weitere globale Marktentwicklung werden – hohe Absatzzahlen im Heimatmarkt sind der Schlüssel dazu. Gelingt der zügige Hochlauf der Stückzahlen in Deutschland vor anderen Märkten, wäre das ein entscheidender Wettbewerbsvorsprung der heimischen Industrie, die zum globalen Leitanbieter aufsteigen würde. So jedenfalls sieht der Plan aus, den die Bundesregierung vor einigen Jahren formulierte.

Auf der Nationalen Konferenz zur Elektromobilität in Berlin wäre es an der Zeit, eine kritische Zwischenbilanz zu ziehen. Denn in der Realität greift keines der gewählten Instrumente, um die „Energiewende auf der Straße“ voranzutreiben. Fahrer von Elektrofahrzeugen müssen sich heute durch viel Papier wühlen, um überhaupt einen Zuschuss etwa zur Leasingrate aus den Schaufensterprojekten zu bekommen. Die Elektrowende wird so zum Papierkrieg.

Der Zuschuss selbst wird dann nur über ausgewählte Finanzanbieter ausgezahlt. Und die Finanzinstitute der Autokonzerne sind eher daran interessiert, die hauseigenen Elektroautos im Markt zu platzieren, statt an einer flächendeckenden Verbreitung der elektrischen Mobilität zu arbeiten. Ein riesiger, hässlicher Aufkleber auf jeder Fahrzeugseite verjagt letztlich noch den letzten potenziellen Antragsteller.

Auch das E-Mobilitätsgesetz ist an Unzulänglichkeit und Inhaltsleere kaum zu überbieten. Kommunen dürfen, falls sie wollen, Elektro- und Hybridfahrzeugen die Benutzung der Busspuren erlauben, wenn das Fahrzeug mit eine, - Achtung Überraschung - Aufkleber und Sonderkennzeichnen versehen wird.

Wenn die Kanzlerin der Elektromobilität in Deutschland wirklich helfen will, muss sie Anreize setzen, die den Massenmarkt effektiv stimulieren. Eine zeitlich begrenzte finanzielle Förderung würde auch nicht - wie weit verbreitet angenommen etwa Unternehmen wie Tesla helfen – im Gegenteil sie hilft vor allem den etablierten deutschen Herstellern. Denn diese können nicht wie Tesla auf der grünen Wiese beginnen und sind daher gezwungen Investitionen und eine Änderung Ihrer Modellpolitik zu refinanzieren, dies geht jedoch nur in einem Volumenmarkt. Entsteht dieser Markt aber zuerst in anderen Märkten, fehlt den Deutschen die Lernkurve und schlicht die Zeit zur Umstellung.

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Kommentare zu " Deutscher Tesla-Chef Schröder: Echte Elektro-Förderung statt Papierkrieg"

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  • @Axel Leitner,
    klar, ausser Ihnen bekommen alle hier von der "Verbrennungs-Motor Lobby" aka Daimler, VW und BMW sicher 1.000 Euro pro Beitrag. Ich find's eher beeindruckend, wieviel Platz in den öffentlichen Medien einem Unternehmen eingeräumt werden, dass seit Jahren kontinuierlich Milliarden Dollar an Anleger-Geld und Steuer-Geldern verbrennt, um ein paar Luxus-Spielzeuge für Millionäre herzustellen. Elektro-Autos, die in allen Märkten und Ländern ohne massive Subventionierung mit Steurgeldern absolut unverkäuflich sind.

  • @Axel Leitner,
    die nächste völlig fehlgeleite Subvention? Sollen die deutschen Steuerzahler jetzt auch noch 100.000 Euro teure Luxus-Spielzeuge für Millionäre von Tesla mit ihren Steuern subventionieren? Wenn es irgendeine Subvention gibt, dann sollte sie streng limitiert sein auf wirklich "ökologische" Fahrzeuge, sprich Kleinwagen. Und limitiert sein, ähnlich wie die staatl. Wohnungsbau-Prämie auf Käufer mit kleineren + mittleren Einkommen. Jemand, der sich ein 100.000 Euro Spielzeug a la Tesla oder einen Elektro-Q7-SUV von Audi zulegt, ist finanzstark genug, um das auch alleine bezahlen zu können. Deutschland sollte sich mal umhören in Ländern wie Norwegen oder Kalifornien: Dort werden diese sinnlosen Subventionen massiv kritisiert und schon wieder zurückgefahren, weil sich immer mehr Leute fragen: Muss der Staat Luxus-Autos (egal ob elektro oder nicht) von Millionären subventionieren?

  • Ich habe dir Kommentare jetzt einige Zeit verfolgt und ich finde ich muss mich auch mal zu Wort melden.
    Ich lebe derzeit in Italien und zahle für den Liter Benzin gut 1,80 Euro. Ich möchte sehen wie die Deutschen bei 60 cent mehr pro Liter jammern und wie viele alteingesessene Verbrennerliebhaber sich nach Alternativen (auch Methan bzw
    GPL) umsehen werden.
    Spätestens sobald bei den meisten am Ende des Monats 100 bzw. bei Vielfahrern 300 Euro aufgrund des Spritpreises mehr fehlen.
    Zu dem Argument die "Stromnetze" müssten viel stärker sein, dies trifft nur teilweise zu, denn die meisten EVs werden ja Nachts zu Hause geladen, welche aber das Netz nicht so sehr überlasten, da die Industrien vor allem am Tag arbeiten und Nachts somit Stromnetzkapazitäten frei sind.

    P.S. Ich komme aus Südtirol wir produzieren 30% mehr Strom aus erneuerbaren Energien als wir tatsächlich verbrauchen

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