Deutsches Stromnetz
RWE prescht bei Netz-Frage vor

Der Essener Energiekonzern RWE geht in der Diskussion um die Zukunft der großen Stromnetze in die Offensive. Der Versorger hat angeboten, die Systemführung für das bislang zersplitterte Höchstspannungsnetz der vier deutschen Transportnetzbetreiber zu übernehmen.

HB DÜSSELDORF. Damit könne die Forderung der Politik und der Bundesnetzagentur nach einer einheitlichen Regelzone umgesetzt werden. Der Konzern sei auch bereit, den geplanten Ausbau der Netze in Deutschland zu koordinieren. "Das Netzeigentum soll bei den heutigen beziehungsweise zukünftigen Eigentümern der Transportnetze verbleiben."

RWE betreibt das größte Höchstspannungsnetz in Deutschland. Die übrigen gehören den Konkurrenten Eon, Vattenfall und EnBW. Die Energieriesen betreiben die Überlandleitungen bislang jeweils in Eigenregie. Der Präsident der Bundesnetzagentur Matthias Kurth hatte sich am Montag für eine Zusammenlegung der Netze ausgesprochen. In einer Zone könnten die Versorger Schwankungen in der Stromproduktion und dem Verbrauch besser ausgleichen. Dadurch ließen sich erhebliche Einsparungen erreichen, die den Stromkunden zugutekommen könnten, hatte Kurth gesagt. Zudem würde der Stromhandel und der grenzüberschreitende Austausch vereinfacht.

"Unser Vorschlag ist geeignet, die von Matthias Kurth geforderten Vorteile zum Nutzen aller Stromkunden zu realisieren", sagte eine RWE-Sprecherin. Es gebe noch keine konkreten Pläne und auch noch keine Gespräche mit den übrigen Betreibern. RWE betreibe im nordrhein-westfälischen Brauweiler eine Netzwarte, die die Systemführerschaft leisten könne. Dabei gehe es etwa darum die Leistung der Netze einheitlich zu regeln. Stromhändler könnten sich zudem künftig an eine Stelle statt an mehrere wenden.

Eon-Chef Wulf Bernotat zeigte sich offen für den Vorschlag von RWE. Die Hauptsache sei, dass das Netz vernünftig betrieben werde, da Eon künftig Kunde sein werde, sagte er in Berlin. Eon hatte Ende Februar unter dem Druck der EU-Kommission den Verkauf seines Höchstspannungsnetzes angekündigt und damit eine Diskussion um die Zukunft der Netze ausgelöst. Ein Modell ist eine Netz AG, in der die vier Betreiber ihrer Netze einbringen könnten. Völlig offen ist aber, wie die Eigentümerstruktur aussehen könnte. RWE und Vattenfall haben sich aufgeschlossen gegenüber der Idee einer Netz AG gezeigt, während sich EnBW dafür bislang nicht begeistern kann.

"Unser Modell bietet nicht nur Vorteile für die Ausfallsicherheit und die Anschlussfähigkeit neuer Anlagen mit erneuerbaren Energien und aus dezentraler Erzeugung, sondern bietet auch die Möglichkeit flexibler und offener Eigentümerstrukturen", sagte RWE-Chef Jürgen Großmann. Das Modell sei offen für europäische Lösungen. "Wir laden weitere Übertragungsnetzbetreiber zur Kooperation ein." Voraussetzung sei aber, dass das Übertragungsnetz unternehmerisch verantwortbar und unter klaren wirtschaftlichen Bedingungen betrieben werden könne. RWE verhandele bereits mit ausländischen Übertragungsnetzbetreibern über eine engere Zusammenarbeit.

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