Deutsches und US-amerikanisches Unternehmen tragen gleichen Namen
Merck ist nicht gleich Merck

Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck KGaA hat unruhige Wochen vor sich. In den USA hat ein Gericht eine Millionenstrafe gegen den amerikanischen Pharmahersteller und Namensvetter Merck & Co. verhängt. Das Schmerzmittel Vioxx wird für zahlreiche Todesfälle verantwortlich gemacht.

DÜSSELDORF. Im September 2004 schrillten auch in Darmstadt die Alarmglocken. Die amerikanische Merck & Co. hatte ihr Arthritis-Medikament Vioxx wegen des Risikos von Herz- und Schlaganfällen weltweit vom Markt genommen. Das Präparat, das Milliardenumsätze machte, stand im Verdacht, zig Menschen getötet und tausende geschädigt zu haben. Auch wenn die Darmstädter Merck KGaA nichts mit diesem Skandal zu tun hatte, so geriet sie doch wegen der Namensgleichheit mit in die Schlagzeilen.

Nun, fast ein Jahr später, geht das Ganze wieder los. Im ersten Vioxx-Prozess war Merck & Co. am Freitag zu einer Geldstrafe von 253,4 Millionen Dollar (209 Millionen Euro) verurteilt worden. Die Jury des Gerichts in Angleton im Bundesstaat Texas gab dem US-Konzern eine Mitschuld am Tod eines 59-jährigen Texaners, der 2001 nach achtmonatiger Einnahme des Medikamentes gestorben war. Merck habe Ärzte und Patienten nicht ausreichend über die Gefahren des Medikaments aufgeklärt, bemängelte das Gericht.

Während die Jury in den USA den Schuldspruch sprach, gingen in Darmstadt E-Mails mit zum Teil wüsten Beschimpfungen ein. Ab und an landet auch mal ein Vioxx-Patient in der Hotline des deutschen Pharmaspezialisten. "Wir verweisen dann auf die Hotline von MSD Sharp & Dohme", sagt Merck-Sprecher Jürgen Knackmuss. Unter diesem Namen firmiert der US-Pharmakonzern in Deutschland.

Merck ist nicht gleich Merck. Die Unternehmen haben nichts miteinander gemein bis auf ihre Wurzeln. Und die liegen in Darmstadt: Friedrich Jacob Merck kaufte dort im Jahr 1668 die Engel-Apotheke, die über die Jahrhundert in Familienbesitz blieb. Sein Nachfahre Heinrich Emanuel Merck fing 1827 mit der industriellen Produktion von Chemikalien an. Das Unternehmen blühte und gedeihte und so kam es 1887 zur Eröffnung einer eigenen Niederlassung in New York. 1891 wurde daraus die Tochtergesellschaft Merck & Co. 1917, der erste Weltkrieg war noch in vollem Gange, enteignete die US-Regierung die deutschen Eigentümer. Merck & Co. wurde ein unabhängiges amerikanisches Unternehmen. Seit diesem Zeitpunkt gingen Merck und Merck getrennte Wege.

Damit es nicht zu Verwechslungen kommt, haben sich die beiden Unternehmen schon vor Jahrzehnten darauf geeinigt, dass nur jeweils einer von beiden pro Land unter dem Namen „Merck“ auftritt. In den USA hält Merck & Co. die Namensrechte; im Rest der Welt tritt das Unternehmen dafür unter Merck Sharp and Dohme (MSD) oder wie in Deutschland unter MSD Sharp & Dohme auf. Außerhalb der USA darf sich nur die deutsche Merck auch so nennen. Dafür heißt sie in den Staaten EMD, die Kurzform für "Emanuel Merck, Darmstadt".

Einbußen beim Umsatz erwartet die deutsche Merck nicht, sagt Sprecher Knackmuss. „Die Apotheker wissen bescheid und klären die Kunden entsprechend auf.“ Ärzte, die Merck Deutschland und Merck USA verwechseln, klärt der Außendienst auf. Denn das nächste Vioxx-Urteil und damit neuer Ärger kommt bestimmt.

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