Deutschland macht kaum Fortschritte bei der Öffnung des Gasmarktes
Energiekosten in Deutschland teurer als in Europa

Verbraucher und Unternehmen müssen in Deutschland einer Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zufolge wegen höherer Steuern und ungenügendem Wettbewerb mehr für Energie bezahlen in den meisten anderen Ländern Europas.

HB BERLIN. „Im europäischen Vergleich sind die Energiepreise in Deutschland gegenwärtig relativ hoch“, erklärten die DIW-Forscher am Mittwoch. „Während diese Differenzen bei den Kraftstoffen fast ausschließlich durch die in Deutschland höheren Steuern bedingt sind, könnten sie in der Strom- und Gaswirtschaft unter anderem auch auf unzureichendem Wettbewerb beruhen.“ Mehr Wettbewerb und die neue Regulierungsbehörde könnten die Preise sinken lassen, starke Preiserhöhungen auf den internationalen Energiemärkten aber nicht ausgleichen.

Dem DIW zufolge legten die Energiepreise in Deutschland von 1996 bis August 2004 um gut 38 Prozent zu, in den 15 EU-Mitgliedstaaten vor der Osterweiterung insgesamt dagegen nur um gut 28 Prozent. Bei den wichtigen Energieträgern lag Deutschland dabei bei den Kosten jeweils in der Spitzengruppe. So mussten deutsche Autofahrer im Juni dieses Jahres 1,16 Euro für einen Liter Eurosuper bezahlen. Nur in Großbritannien und den Niederlanden lag der Preis mit 1,23 beziehungsweise 1,26 Euro höher. Grund für die Preisunterschiede seien hier fast ausschließlich die höheren Steuern in Deutschland, erklärte das DIW. Der reine Benzinpreis vor Abgaben und Steuern sei in Deutschland mit 35 Cent je Liter sogar etwas günstiger als in den meisten anderen EU-Ländern gewesen.

Bei Erdgas und Strom sorgte dem DIW zufolge nicht nur der Staat für höhere Preise. „Der Wettbewerb ist in der Gaswirtschaft bisher noch wenig ausgeprägt“, schrieben die Forscher. „Anders als im Strombereich sind bei der Öffnung des Gasmarktes in Deutschland bisher kaum Fortschritte zu verzeichnen.“ Dem DIW zufolge zahlten am 1. Januar 2004 nur die Verbraucher in Dänemark, Schweden und Österreich mehr für Gas als die deutschen Haushalte. Für industrielle Abnehmer lagen die Preise nur in Österreich und Schweden höher.

Während die Strompreise dem DIW zufolge seit 1998 zunächst durch die Liberalisierung merklich sanken, sorgen höhere Steuern seit 2002 wieder für höhere Elektrizitätsrechnungen. „Ohne Berücksichtigung von Steuern liegen die Strompreise für Haushaltskunden mit einem Stromverbrauch von 3 500 Kilowattstunden pro Jahr nur noch in Italien und Portugal höher, mit Steuern in Dänemark, Italien und den Niederlanden“, schrieben die DIW-Forscher. Industriekunden bezahlten mit Steuern allein in Italien mehr. Angesichts vergleichsweise hoher Netznutzungsentgelte könne mehr Wettbewerb in Deutschland aber die Preise sinken lassen, schrieb das DIW weiter. „Hierzu könnte die Regulierungsbehörde beitragen, die nach In-Kraft-Treten des neuen Energiewirtschaftsgesetzes tätig werden kann.“

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