Deutschland will auf ausgeglichene Besitzverhältnisse achten
EADS und Thales sprechen über Allianz

Tagelang wurde über eine Allianz des deutsch-französischen Industriekonzerns EADS mit dem französischen Rüstungselektronik-Hersteller Thales spekuliert. Nun hat Frankreich erstmals Gespräche bestätigt. Im Falle einer Fusion will die Bundesregierung aber auf ausgeglichene Besitzverhältnisse achten.

HB PARIS. „Wir haben mit der deutschen Regierung gesprochen und wir werden angesichts der Wichtigkeit von Thales in Großbritannien natürlich auch mit der britischen Regierung darüber sprechen“, sagte Präsidialamtssprecher Jerome Bonnafont am Dienstagabend vor Journalisten. Auch gebe es Gespräche auf Ebene der Unternehmen. „Thales und EADS sprechen derzeit über ihre Zukunft.“ Bei einem Zusammengehen würde ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von rund 40 Milliarden Euro und mehr als 170 000 Mitarbeitern entstehen, das dem US-Konzern Boeing Konkurrenz macht.

Am Dienstag hatte sich Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement in Berlin mit seinem französischen Kollegen Nicolas Sarkozy getroffen. In den vergangenen Tagen gab es wiederholt Spekulationen über einen Zusammenschluss der beiden Firmen. Dabei hieß es auch, Deutschland fürchte, dass sich die bisherige Anteilseigner-Balance bei EADS zu Gunsten Frankreichs verschieben könnte.

EADS mit 109 000 Beschäftigten setzte 2003 rund 30 Milliarden Euro um, Thales mit 63 000 Mitarbeitern 10,6 Milliarden. Thales bietet weltweit Elektronik für Raumfahrt, Verteidigung und Informationstechnologie an. Zu dem Luft- und Raumfahrtkonzern EADS gehört unter anderem der Flugzeugbauer Airbus. An EADS, der im Jahr 2000 aus der Fusion der französischen Aerospatiale Matra, der spanischen CASA und der deutschen Dasa entstanden war, sind Deutschland und Frankreich zu gleichen Teilen beteiligt. Das Unternehmen hat Beschäftigte vor allem in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien.

Analysten sind geteilter Meinung über ein Zusammengehen. Dadurch könne die „Airbus-Story“ innerhalb von EADS verwässert werden, hieß es. Zudem könne es den Widerstand Deutschlands geben, weil ein französisch dominiertes Grußunternehmen entstehe. Andere Experten erklärte, die Saat für eine Allianz sei gelegt und sie werde definitiv kommen. Frankreich müsse Deutschland aber noch von der Logik einer Allianz überzeugen und dann einen Weg für eine Balance bei EADS finden. Als Alternative wurde auch nicht ausgeschlossen, dass angeboten werde, der deutsche Siemens-Konzern könne die französische Alstom übernehmen. Bislang hat sich Frankreich gegen eine solche Beteiligung ausgesprochen.

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