Deutschlands Konzerne
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Deutschlands Konzerne hängen ihre Konkurrenten im übrigen Europa und in den USA beim Gewinnwachstum ab. Das wird schon zu Beginn der Bilanzsaison des ersten Halbjahrs klar. Von der guten Entwicklung profitiert auch der deutsche Leitindex. Er verbucht höhere Kurszuwächse als die anderen großen Indizes.

DÜSSELDORF. Mit dem Softwarehersteller SAP legte am Freitag der erste Dax-Konzern ein glänzendes Ergebnis für das zweite Quartal vor. Insgesamt werden die 30 größten deutschen börsennotierten Unternehmen nach einer Prognose des führenden Finanzdatenspezialisten Factset/JCF in diesem Jahr ein Gewinnplus von zwölf Prozent erzielen. Bei Factset/JCF laufen die Erwartungen der Unternehmen und der Analysten wichtiger internationaler Finanzhäuser zusammen.

Mit diesem Gewinnplus stehen die Deutschen unter den großen Industrieländern auf Platz eins. Noch überraschender als diese Tatsache ist aber, wie kräftig die Tendenz nach oben ausgeprägt ist. Noch im Frühjahr hatten die Experten für deutsche Großkonzerne nur ein Gewinnwachstum von sieben Prozent vorausgesagt.

Anders als im Fall Deutschland haben die Experten für die Unternehmen in Rest-Europa und den USA ihre aktuellen Prognosen nicht angehoben – hier bleibt es bei einem erwarteten Gewinnplus von knapp acht Prozent. „Die Konjunktur spielt Deutschland ganz besonders in die Hände, die Nachfrage entwickelt sich besser als gedacht“, sagt Carsten Klude von der Privatbank M.M. Warburg.

Seit Vorlage der Bilanzen zum ersten Quartal übertreffen die deutschen Top-Unternehmen die Erwartungen der Analysten um Längen. Die Dax-Konzerne präsentierten im Schnitt ein Gewinnplus von 47 Prozent – danach gingen die Schätzungen für das Gesamtjahr Woche für Woche nach oben. Selbst wenn man Sondereffekte ausklammert – etwa Bayers 2,2-Mrd.-Euro-Verkauf der Diagnostiksparte oder Beteiligungsveräußerungen des Versicherungsriesen Allianz –, betrug das bereinigte Nettogewinnplus nach Berechnungen der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) noch 26 Prozent. Jedes zweite Dax-Unternehmen überraschte beim Nettogewinn positiv, nur fünf lagen unter den Erwartungen. Damit hatte niemand gerechnet – obwohl Tiefstapeln bei Unternehmen und Analysten seit Jahren zum Geschäft gehört.

Dies war einmal anders. Bis zum Platzen der Technologieblase an der Jahrtausendwende prägten überzogene Erwartungen und daraus resultierende Enttäuschungen das Bild. 2004 kam dann das Tiefstapeln in Mode. Unternehmen und Analysten legten bei ihren Prognosen die Messlatte niedriger, um sie anschließend locker zu überspringen.

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