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Deutschlands Unternehmen: So preiswert wie Anfang der 80er-Jahre

Deutschlands 110 größte Unternehmen sind an der Börse so preiswert wie seit 25 Jahren nicht mehr. Das belegen die an den Finanzmärkten wichtigsten Kennzahlen der Firmen. Investoren bestrafen längst nicht mehr nur die gebeutelten Finanzinstitute mit extremen Abschlägen an der Börse. Jetzt geraten klassische Industriekonzerne in den Abwärtssog.

Thyssen-Krupp Hochofen: Der Konzern kostet an der Börse lediglich das Fünffache des für 2008 erwarteten Gewinns. Foto: ap Quelle: ap
Thyssen-Krupp Hochofen: Der Konzern kostet an der Börse lediglich das Fünffache des für 2008 erwarteten Gewinns. Foto: ap Quelle: ap

DÜSSELDORF. „Solch eine günstige Bewertung gab es zuletzt vor 25 Jahren. Investoren fürchten einen scharfen Wirtschaftsabschwung und misstrauen den künftigen Erträgen“, begründet Andreas Hürkamp von der Commerzbank die in der langen Börsengeschichte seltene Schieflage an den Finanzmärkten.

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Ursache ist die Immobilien- und Finanzkrise, in deren Folge die etablierten Börsen weltweit seit Jahresanfang rund ein Viertel ihres Wertes verloren haben. Weil die Unternehmen mit Ausnahme der Finanzinstitute bislang aber fast an ihre Rekordgewinne des Vorjahres anknüpfen und relativ geringe Verbindlichkeiten schultern müssen, ergeben sich derzeit so günstige Bewertungen wie zuletzt Anfang der 80er-Jahre. Damals litt die deutsche Wirtschaft unter hohen Inflationsraten und geringem Wachstum (Stagflation). Anders als heute machten zudem hohe Zinsen Anleihe- und Geldmarktprodukte gegenüber Aktien attraktiv.

„Angesichts der Vertrauenskrise an den Finanzmärkten fliehen Anleger aus risikoreichen Anlageklassen, also auch Aktien. Handfeste Kennzahlen beeinflussen in solch einer Krise die Kurse sehr viel weniger als in normalen Börsenzeiten“, sagt Ulrich Reitz, Leiter der Kapitalmarktanalyse der BHF-Bank.

Für 36 der 110 Konzerne in den drei führenden Börsenindizes Dax, MDax und TecDax bezahlen Investoren aktuell weniger als den zehnfachen für 2008 erwarteten Nettogewinn. Üblich sind in Deutschland Aufschläge mit dem Faktor 15. Angesichts des inzwischen fortgeschrittenen Jahres gelten die Gewinnprognosen für 2008 als recht sicher. Der Stahlhersteller Thyssen-Krupp kostet sogar nur den fünffachen Jahresgewinn. Das ist beispiellos. Fast ebenso günstig sind der Automobilhersteller Daimler, die Deutsche Lufthansa, der Nutzfahrzeughersteller MAN und der Versorger RWE. In der zweiten Reihe bezahlen Investoren den Stahlhändler Klöckner & Co sogar nur mit dem zweifachen Jahresnettogewinn.

Das Problem: Investoren handeln nicht die guten Zahlen der Gegenwart, sondern die ungewisse Zukunft. Brechen die Firmenerträge im nächsten Jahr ein, lohnt heute kein Einstieg mehr. Analysten unterstellen für 2009 einen Gewinnanstieg von fast 20 Prozent gegenüber dem laufenden Jahr. „Das ist vollkommen unrealistisch und widerspricht allen konjunkturellen Frühindikatoren“, sagt Matthias Jörss von der größten deutschen Privatbank Sal. Oppenheim. In allen vergangenen Wirtschaftsabschwüngen sanken die Firmengewinne.

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