Diabetes-Verkauf
Bayer räumt auf

Der Bayer-Konzern trennt sich vom Geschäft mit Blutzucker-Messgeräten. Die Perspektiven in dem Geschäft sind mau, der Investitionsbedarf hingegen hoch. Bayer-Chef Dekkers bleibt damit seiner Linie beim Umbau treu.
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DüsseldorfDiabetes ist eine der großen Volkskrankheiten der Welt. Rund 400 Millionen Menschen leiden heute unter der Stoffwechselkrankheit, in 15 Jahren könnten es nach aktuellen Schätzungen von Forschern rund 600 Millionen sein. Die Gründe sind klar: Die Gesellschaft altert und die Menschen ernähren sich ungesund, mit zu viel Fett und Zucker, zu viel Burger und zu wenig Obst. Für die Gesundheitsindustrie muss die Bekämpfung von Diabetes ein lukratives Geschäft sein – eigentlich.

Die Leverkusener Bayer AG zieht sich nun aus diesem Geschäft zurück. Der Konzern ist einer der technologisch führenden Hersteller von Blutzucker-Messsystemen und erzielte damit im vergangenen Jahr einen Umsatz von 909 Millionen Euro.

Am Mittwoch macht Bayer den schon länger angedachten Verkauf dieses Geschäfts klar: Bayer Diabetes Care geht für 1,02 Milliarden Euro an Panasonic Healthcare, einen aufstrebenden Medizintechnikhersteller aus Japan Die Leverkusener trennen sich damit von einem Randgeschäft, das sich zuletzt weit weniger glanzvoll als die Pharmasparte mit ihren innovativen Medikamenten entwickelt hat. Der Umsatz mit Blutzucker-Testgeräten sank im vergangenen Jahr sogar. Bei Bayer zeigte sich beispielhaft, was viele andere Gesundheitskonzerne auch erleben: Die Zunahme von Diabetes-Erkrankungen führt nicht automatisch zu blendend laufenden Geschäften.

In vielen Ländern wurden die Erstattungsregeln der staatlichen Gesundheitssysteme für die Patienten verschärft. Vor allem in den USA, dem wichtigsten Markt, ließ dies die Preise für Diabetes-Diagnosetechnik sinken. Damit nicht genug: Neue Anbieter aus Fernost drängen mit preiswerten Mess-Systemen auf den Markt.

Die Probleme waren mitverantwortlich dafür, dass Bayer im gesamten Consumer-Health-Geschäft voriges Jahr weniger verdiente. Der operative Gewinn vor Sondereinflüssen (Ebitda) sank um 3,2 Prozent. Nach dem Verkauf des Diabetesgeschäfts werden unter dem Consumer-Health-Dach noch verschreibungsfreie Medikamente (Aspirin), Tiergesundheit und Kontrastmittel geführt. Sie bilden neben dem Pharmageschäft das zweite Standbein der Bayer-Gesundheitssparte.

Doch es ist nicht nur der Preisdruck, weshalb sich das Bayer-Management nun zum Verkauf entschloss.

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