Diabetesforschung
Produktentwicklung gleicht einem Vabanque-Spiel

Wachsende Sicherheitsanforderungen treiben Risiken und Kosten in der Diabetesforschung nach oben. Die Öffentlichkeit reagiert zunehmend kritisch auf vermeintliche Risiken von neuen Medikamenten - und zwingt damit kleinere Unternehmen in die Knie.

FRANKFURT. Der Bedarf an neuen Diabetesmedikamenten ist hoch. Doch für die Pharmabranche war das Arbeitsgebiet in den letzten Jahren mit ebenso vielen Enttäuschungen wie Hoffnungen verbunden. Grund dafür ist nicht nur die schiere Komplexität dieser Stoffwechsel-Erkrankung. Eine mindestens ebenso wichtige Rolle spielt das härtere regulatorische Umfeld. Das Diabetesgeschäft bietet insofern ein Paradebeispiel für die veränderten Rahmenbedingungen, mit denen sich die Pharmabranche derzeit auseinander setzen muss.

Seit der Skandal um das Schmerzmittel Vioxx vor vier Jahren die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA in die Schusslinie brachte, sind die Anforderungen an neue Medikamente ebenso gewachsen wie die Sensibilität für mögliche Risiken bei bereits etablierten Medikamenten. Prominentestes Opfer dieser Entwicklung ist der Branchenzweite Glaxo-Smithkline (GSK), dessen Diabetesmedikament Avandia im vergangenen Jahr unvermittelt in die Kritik geriet, nachdem eine neue Analyse bereits bekannter Studiendaten ergab, dass die Einnahme des Medikaments ein mögliches Herzkreislauf-Risiko berge. Obwohl sich der britische Konzern intensiv bemühte, diese Bedenken zu entkräften, konnte er einen deutlichen Einbruch im Geschäft mit dem umsatzstarken Medikament nicht vermeiden. Die Umsätze mit dem bislang zweitstärksten Produkt von GSK dürften 2008 erheblich schrumpfen. Und manche Analysten schließen nicht aus, dass der Konzern Avandia am Ende komplett vom Markt nehmen muss.

Sicherheitsbedenken bescherten im vergangenen Jahr auch dem Schweizer Novartis-Konzern einen Rückschlag bei seinem neuen Diabetesmittel Galvus, das in Europa zwar eine Zulassung erhielt, bei der FDA indessen im ersten Anlauf scheiterte. Die US-Zulassungsbehörde forderte zusätzliche Studien, um einen Nebenwirkungsverdacht auszuräumen, der sich in Tierversuchen gezeigt hatte.

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