Industrie

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Dialysefirma: Politischer Gegenwind stimmt FMC vorsichtig

Die Haushaltskürzungen in den USA drücken auf die Gewinnprognose von FMC. Der weltgrößte Dialysekonzern steht aber auch in anderen Ländern vor Herausforderungen. Für viele Aktionäre ist das eine neue Erfahrung.

Konzernzentrale von Fresenius in Bad Homburg: Tochter FMC bekommt die Folgen des US-Sparhaushalts zu spüren. Quelle: dpa
Konzernzentrale von Fresenius in Bad Homburg: Tochter FMC bekommt die Folgen des US-Sparhaushalts zu spüren. Quelle: dpa

FrankfurtPolitischer Gegenwind in den USA und anderen Ländern drückt beim weltgrößten Dialysekonzern FMC auf die Stimmung. Wegen der seit April geltenden Haushaltskürzungen in Amerika werde das Unternehmen 2013 vermutlich nur das untere Ende seiner Gewinnprognose von 1,1 bis 1,2 Milliarden Dollar erreichen, sagte Rice Powell am Donnerstag bei seiner ersten Hauptversammlung als FMC-Chef. „Wir wissen leider nicht, wie sich die Situation entwickeln wird.“ Aber je weiter das Jahr voranschreite, desto unwahrscheinlicher werde es, dass die US-Regierung die Kürzungen zurücknehme.

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Wegen der Einschnitte erhält FMC zwei Prozent weniger für die Behandlung staatlich versicherter Patienten in den USA. Dies könnte das Ergebnis von FMC 2013 um rund 45 Millionen Dollar drücken. Zudem gilt im weltgrößten Gesundheitsmarkt USA seit Jahresbeginn eine Steuer auf medizinische Geräte. Auch zahlreiche andere Länder könnten die steigenden Kosten für Dialysebehandlungen nicht mehr finanzieren, klagte Powell. „Die Zeiten werden nicht einfacher, die Gesundheitssysteme weltweit stehen vor großen Herausforderungen.“

Im ersten Quartal fiel der Gewinn von FMC - auch wegen eines Sondereffekts - um 39 Prozent auf 225 Millionen Dollar. Seit Sommer 2012 haben FMC-Aktien rund zwölf Prozent verloren. Für viele FMC-Aktionäre, die seit Jahren steigende Gewinne gewohnt sind, ist das eine neue Erfahrung. „Aber hoppla: Einige Kennzahlen steigen nicht“, sagte Elmar Beßlich von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). „Vielleicht ist die Zukunft nicht ganz so rosig.“

Wie ausländische Gesundheitssysteme organisiert sind

  • Ausgangspunkt Deutschland

    Auch andere Gesundheitssysteme sind nicht perfekt, aber oft sind Risikomanagement oder Patientenrechte besser organisiert. Ein Überblick über staatliche und private Gesundheitsausgaben (pro Kopf und Jahr) und die unterschiedlichen Ansätze in den Gesundheitssystemen der Ländern.
    Ausgaben in Deutschland pro Kopf: 4218 Dollar

  • Österreich

    Staatliche und private Gesundheitsausgaben (pro Kopf und Jahr): 4289 Dollar

    Fortschrittlicher Ansatz: Ein Fonds für Arzthaftungsgeschädigte zahlt, wenn die Kausalität zwischen Schaden und Fehler nicht komplett nachweisbar ist.

  • Frankreich

    Staatliche und private Gesundheitsausgaben (pro Kopf und Jahr): 3978 Dollar

    Fortschrittlicher Ansatz: Nicht nur Fehler, sondern auch die Verhinderung einer Heilungschance führt bereits zu einer Arzthaftung.

  • Niederlande

    Staatliche und private Gesundheitsausgaben (pro Kopf und Jahr): 4914 Dollar

    Fortschrittlicher Ansatz: Rigorose und landesweit einheitliche Hygienevorschriften senken die Zahl der Toten durch Krankenhauskeime.

  • Großbritannien

    Staatliche und private Gesundheitsausgaben (pro Kopf und Jahr): 3487 Dollar

    Fortschrittlicher Ansatz: Höhere Veröffentlichungspflichten der Kliniken, die zudem für jedermann zugänglich und verständlich sein müssen.

  • Schweden

    Staatliche und private Gesundheitsausgaben (pro Kopf und Jahr): 3722 Dollar

    Fortschrittlicher Ansatz: Die Beweislast bei einem Fehler liegt nicht allein beim Patienten, sondern die Haftpflichtversicherung des Arztes hat eine Ermittlungspflicht.

  • Schweiz

    Staatliche und private Gesundheitsausgaben (pro Kopf und Jahr): 5144 Dollar

    Fortschrittlicher Ansatz: Ärzten droht keine Klage, wenn sie Todkranken auf deren Wunsch beim Suizid mit einem Betäubungsmittel beistehen. In Deutschland werden sie oft gegen ihren Willen weiterbehandelt.

  • USA

    Staatliche und private Gesundheitsausgaben (pro Kopf und Jahr): 7960 Dollar

    Fortschrittlicher Ansatz: Die Vorschriften zum Risikomanagement und zur Fehlerauswertung sind wegen der hohen Schadensersatzzahlungen sehr streng. Krankenhäuser werden im Extremfall von Staat komplett geschlossen.

  • Japan

    Staatliche und private Gesundheitsausgaben (pro Kopf und Jahr): 2878 Dollar

    Fortschrittlicher Ansatz: Das Gericht fällt Urteile zum Schadensersatz auf Basis der Aussagen der beiden Beteiligten, ohne externen Sachverständigen. In Deutschland ist der Sachverständige nötig, aber oft nicht ausreichend geschult.

FMC-Chef Powell, der zu Jahresbeginn die Nachfolge des langjährigen Firmenchefs Ben Lipps angetreten hat, versuchte diese Sorgen zu zerstreuen. „Solchen Herausforderungen mussten wir uns in der Vergangenheit schon häufig stellen“, sagte der Amerikaner. Dennoch habe Fresenius Medical Care in jedem Jahr seit seiner Gründung 1996 gute Ergebnisse erzielt.

Auch diverse Klagen in den USA wegen der Dialyselösungen NaturaLyte und GranuFlo sieht FMC gelassen. „Wir sind der Ansicht, dass diese Klagen unbegründet sind und erwarten, dass wir uns gegen diese Klagen erfolgreich verteidigen werden“, sagte der zuständige Vorstand Rainer Runte. Folglich habe der Konzern dafür auch keine Rückstellungen gebildet. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hatte vor einiger Zeit aufgefordert, die Etikettierung der Produkte zu ergänzen. Zahlreiche Patienten haben daraufhin geklagt, sie seien über die Nebenwirkungen der Mittel nicht ausreichend informiert gewesen.

Grünes Licht bekam FMC für die geplante Umwandlung von Vorzugsaktien in Stammaktien. Die Aktionäre stimmten mit großer Mehrheit für die Schaffung einer einheitlichen Aktiengattung. Durch die Verschmelzung will das Unternehmen Kosten sparen. Auch die Liquidität der FMC-Aktie wird etwas steigen.

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