Die 787 ist bis 2010 ausverkauft
Boeing macht gegenüber Airbus Boden gut

Der größte US-Flugzeugbauer und der zweitgrößte Rüstungskonzern des Landes, die Boeing Co., Chicago, sieht nach einer Serie von Negativschlagzeilen endlich bessere Zeiten entgegen.

PORTLAND. Nach langsamem Start und verpassten Prognosen im Vorjahr erhielt Boeings neue Flugzeuggeneration 787 Auftrieb durch mehrere große Order. Neben Aufträgen aus Kanada und Indien konnte Boeing von 18 Fluggesellschaften Festaufträge gewinnen sowie Optionen für 217 Maschinen. 27 weitere Gesellschaften verhandeln über potenzielle Order für 449 B 787, wie der Direktor des Programms, Mike Baird, in einer Telefonkonferenz berichtete. Das größtenteils aus Verbundmaterialien gefertigte Flugzeug, das in Herstellung und Betrieb deutlich billiger als herkömmliche Jets sein soll, wird ab 2008 in Dienst gehen. Laut Baird ist die geplante Jahresproduktion bis 2009 voll und für 2010 schon zum größten Teil verkauft.

In den vergangenen Tagen verbuchte Boeing Aufträge von Air India, Air Canada und Korean Air. Air Canada bestellte 32 Flugzeuge fest. Die Order könnte auf 96 Jets der Typen 777 und 787 steigen. Air India will 50 Flugzeuge bestellen und Korean Air orderte 20 Maschinen vom Typ 787. Nach den Listenpreisen haben die Aufträge einen Wert von über 15 Mrd. Dollar, aber, so sagte ein Analyst, „niemand zahlt heute Listenpreise“. Ein Sprecher von Air Canada sagte nur, man habe „wesentliche Preisnachlässe“ erhalten. Die drei Fluggesellschaften sind bislang Großkunden von Airbus. Air Canada will die B 777 und 787 zum Rückgrat ihrer Langstreckenflotte machen, heißt es.

Zu Gerüchten, dass Boeing seit der Trennung von Vorstandschef Harry Stonecipher eher zu Preisnachlässen bereit ist, erklärte Baird ausweichend, dass die 787 etwa soviel koste wie die 767, obwohl sie „ihr in jeder Hinsicht weit überlegen“ sei. Seit Airbus die A350 als Konkurrenz zur 787 angekündigt hat, ist der Streit über staatliche Subventionen für den Flugzeugbau zwischen den USA und der EU erneut entbrannt. Die Parteien blockieren sich mit Anschuldigungen.

Im abgelaufenen Quartal lieferte Boeing Commercial Airplanes insgesamt 70 Ziviljets aus, gegenüber 76 im Vorjahr. Die Erlöse gingen dabei um 5 Prozent auf 5,1 Mrd. Dollar zurück. Gleichwohl stieg der operative Gewinn um 11 Prozent auf 389 Mill. Dollar. Für 2005 rechnet Boeing unverändert mit der Auslieferung von 320 und für 2006 von 375 bis 385 Zivilflugzeugen. Der Militärbereich Integrated Defense Systems (IDS) steigerte die Erlöse um zwei Prozent auf gut 7,5 Mrd. Dollar, den operativen Gewinn um 15 Prozent auf 847 Mill. Dollar. Starkes Wachstum bei Netzwerk-Systemen glichen rückläufige Erlöse bei Militärflugzeugen und Waffensystemen mehr als aus.

Das erste Quartal 2005 war noch von Sonderbelastungen beeinflusst, die den Reingewinn von 535 Mill. Dollar oder 66 Cents pro Aktie um 14 Prozent unter das Vorjahresergebnis sinken ließen. Die Erlöse stiegen um ein Prozent auf knapp 13 Mrd. Dollar, langsamer, als von Wall Street erwartet. Zuwächse gab es erneut vor allem im Militärgeschäft, der zivile Flugzeugbau lieferte trotz geringerer Umsätze einen höheren Gewinn ab.

Die Konzernergebnisse im ersten Quartal litten unter anderem unter den neuen Bilanzierungsregeln für Bezüge in Form von Aktien sowie unter der Aufstockung von Pensionsrücklagen. Zudem zahlte Boeing 455 Mill. Dollar in die betrieblichen Rentenfonds. Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern mit 58 Mrd. Dollar Umsatz und peilt für 2006 zwischen 62 und 63 Mrd. Dollar an. Die Prognose für den Gewinn je Aktie liegt für 2005 bei 2,40 bis 2,60 und für 2006 bei 3 bis 3,20 Dollar.

Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent
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