Die Abrechnung des Wendelin Wiedeking
„Nie sicher, auf welcher Seite Piëch steht“

Wendelin Wiedeking verrät vor Gericht Details zur VW-Übernahmeschlacht. Der Vorwurf der Marktmanipulation schmerzt den ehemaligen Porsche-Chef – ebenso wie sein Verhältnis zu Ferdinand Piëch.

StuttgartNoch bevor Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking um 8.52 Uhr das Stuttgarter Landgericht betritt, versichert er: „Ich bin unschuldig.“ Deutschlands ehemaliger „Mr. Porsche“, der Vorzeige-Manager der Republik, hat eine Wandlung durchlebt. Nicht nur äußerlich – er hat deutlich an Gewicht zugelegt, trägt mittlerweile ein Hörgerät –, sondern auch von seinem Verhalten her. Wiedeking redet heute ruhiger als damals, als er noch der Chef des edlen Sportwagenherstellers war.

Als er sich auf die Anklagebank in Saal 1 setzt, bricht aber die typische Ungeduld von früher heraus. „63 Jahre“, sagt er, noch bevor der Richter dazu kommt, ihn nach seinem Alter zu fragen. Doch Wiedeking muss sich in Geduld üben. Denn zuerst verliest Staatsanwalt Aniello Ambrosio die Anklage. Der Vorwurf: Marktmanipulation durch falsche Presseinformationen in der Zeit des VW-Übernahmekampfes.

Dann ist der einst bestbezahlteste Manager der Republik an der Reihe. In 82 Minuten schildert Wiedeking, warum aus seiner Sicht nichts an dem Vorwurf dran sei. Von Marktmanipulationen bei der Übernahmeschlacht wolle er nichts wissen.

Der erste Prozesstag ist vor allem eines: Wiedekings Abrechnung mit Firmen-Patriarch Ferdinand Piëch. Das hat sein Verteidiger Hanns Feigen in seiner Strategie kühl kalkuliert: Widersacher Piëch wird so zum Kronzeugen des Übernahmeplans. Letztgenannter war damals Aufsichtsratschef von Volkswagen, Aufsichtsrat und Miteigentümer von Porsche. Mit seinen Informationen über beide Konzerne war er die Schlüsselfigur im Übernahmekampf.

„Wir konnten uns nie sicher sein, auf welcher Seite Piëch steht“, sagt Wiedeking nun vor Gericht. Ihn schmerzt es, dass Piëch vermutlich nicht vor Gericht aussagen muss, aber er. Zwar ist er für Januar geladen, erscheinen werde er aber wohl nicht, meinen Beobachter. Er werde die Aussage verweigern, um sich nicht selbst zu belasten.

Wiedeking beschreibt im Gerichtssaal die Details der damaligen Übernahmeschlacht, in der alles anders lief, als zunächst gedacht: VW übernahm Porsche – und Wiedeking verlor seinen Job. Piëch soll damals seine Pläne zunächst unterstützt, sich aber dann mit Wiedeking überworfen haben. Das war im Jahr 2008, dem fraglichen Jahr der falschen Pressemitteilungen. Ein Vorwurf, von dem sich Wiedeking am Donnerstag zumindest selbst freispricht. Es drohen ihm bis zu fünf Jahren Haft.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%