Die Allianz zwischen Novartis und Morphosys untermauert Trend zu therapeutischen Proteinen
Pharmariesen setzen auf Antikörper

Bei den großen Pharmakonzernen wächst das Interesse an Medikamenten auf Antikörperbasis und anderen therapeutischen Proteinen. Das kommt den auf diesem Gebiet tätigen Biotechfirmen zu Gute, so vor allem der Münchner Morphosys AG.

FRANKFURT/M. Der Antikörper-Spezialist hat vorige Woche mit der Baseler NovartisGruppe seinen bisher größten Kooperationsvertrag unterzeichnet.

Kurz zuvor hatte der US-Pharmariese Johnson & Johnson die private US-Biotechfirma Egea, einen Spezialisten für die Optimierung von Pharmaproteinen, übernommen. In eine ähnliche Richtung zielten in den vergangenen Monaten unter anderem auch der US-Konzern Lilly mit dem Kauf von Applied Molecular Evolution sowie die britische Astra-Zeneca, die eine Allianz mit der US-Firma Abgenix schloss. Die belgische Pharmafirma UCB setzt mit der mehr als 2 Mrd. Euro teuren Übernahme von Celltech ebenfalls auf ein Unternehmen, das vor allem antikörper-basierte Medikamente entwickelt.

Antikörper sind komplexe Eiweißmoleküle, die im Immunsystem eine zentrale Rolle spielen. Als Pharmawirkstoffe sind inzwischen ein gutes Dutzend dieser Antikörper auf dem Markt und haben vor allem in der Krebs- und Rheumabehandlung große Erfolge gezeigt. Vor allem dadurch rücken sie zusehends ins Blickfeld von „Big Pharma“.

Für Morphosys ist der Vertrag mit Novartis der zweite große Deal innerhalb weniger Monate. Im Dezember hatten die Münchner eine ähnliche Kooperation mit dem USBranchenführer Pfizer besiegelt. Novartis und Pfizer sind auf dem Gebiet bisher nur schwach vertreten. „Wir gehen davon aus, dass Antikörper in unserer starken Pipeline einen immer wichtigeren Stellenwert einnehmen werden“, sagte Mark Fishman, der Präsident des neuen Novartis Instituts für biomedizinische Forschung, das der Konzern in Cambridge, im US-Bundesstaat Massachussetts, errichtet hat.

Wichtigste Konkurrenten sind US-Firmen

Analysten werteten die Transaktion als Indiz dafür, dass Morphosys die derzeit führende AntikörperTechnologie zu bieten hat. „Das könnte eine Signalwirkung für andere Pharmafirmen erzeugen“, schätzt Thomas Höger, Analyst der DZ-Bank. Die Kooperation mit Novartis sichert Morphosys den Zufluss von 9 Mill. Euro Eigenkapital in Form einer Wandelanleihe sowie weitere 30 Mill. Dollar als fest zugesagte Forschungs-Zuschüsse. Darüber hinaus werden im Erfolgsfall Lizenzgebühren und so genannte Meilensteinzahlungen fällig. Erstmals wurde Novartis zudem eine Option eingeräumt, die Morphosys-Technik komplett in den eigenen Labors zu installieren. In diesem Fall werden weitere Zahlungen fällig. „Grundsätzlich hat sich aber am Geschäftsmodell von Morphosys nichts geändert“, betont Firmenchef Simon Moroney. Das Unternehmen verfügt über ein spezielles Verfahren, Antikörper mit Hilfe von Mikroorganismen in sehr großer Vielfalt zu erzeugen.

Wichtigste Konkurrenten sind die US-Firmen Abgenix und Medarex, die Antikörper mit Hilfe genmodifizierter Mäuse erzeugen. Doch die Morphosys-Technik stößt in jüngerer Zeit offenbar auf größeres Vertrauen. Acht der führenden 20 Pharmafirmen, darunter auch Boehringer, Bayer und Schering, zählen inzwischen zu den Partnern der Münchner.

Im Rahmen dieser Allianzen wurden nach Angaben von Morphosys-Chef Moroney inzwischen 15 Antikörper identifiziert, die sich möglicherweise als Arzneimittel eignen. Eine erste dieser Substanzen - entwickelt in Kooperation mit der Münchner GPC - soll im laufenden Jahr in die klinische Prüfung gehen. In Abhängigkeit von solchen Forschritten erhält Morphosys die Meilenstein-Zahlungen von den Partnern. Außerdem werden Lizenzgebühren fällig, sollten einmal Produkte auf den Markt kommen. Dies dürfte aber nach Ansicht von Experten noch Jahre dauern. Im vergangenen Jahr verbuchte Morphosys rund 15 Mill. Euro Einnahmen aus solchen Allianzen und erstmals einen positiven Cash-flow.

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