Die Anbieter spielen auf Zeit und setzen auf einen Regierungswechsel
Kernenergie hofft auf zweite Chance

Noch traut sich die Energiebranche nicht aus der Deckung: „Wir stehen zur Verständigung über den Atomausstieg und fühlen uns daran gebunden“, betont Walter Hohlefelder, im Vorstand der Eon Energie AG zuständig für Kernenergie. Hinter vorgehaltener Hand klingt das ganz anders: „Das letzte Wort ist noch nicht gefallen“, sagt ein anderer hochrangiger Energiemanager.

DÜSSELDORF. Seit einigen Wochen ist das Thema Kernkraft wieder aktuell. Hoch gebracht hat es die CSU, die Anfang Mai ihr energiepolitisches Konzept präsentierte und dabei den Atomausstieg offen in Frage stellte (Handelsblatt 4. 5. 2004). Heiß lief es einen Monat später, parallel zu einer von der Bundesregierung initiierten Weltkonferenz über erneuerbare Energien – deutlicher hätten die beiden Fronten im Streit um den Energiemix der Zukunft nicht zu Tage treten können.

Dabei sollte nach jahrzehntelanger, erbittert geführter Debatte der zwischen Energiebranche und rotgrüner Bundesregierung 2001 geschlossene Kompromiss ein für alle mal Klarheit schaffen: Die Regierung setzte den Ausstieg aus der Kernenergie durch, die Energiebranche verhinderte, dass er sofort umgesetzt wurde. Neue Meiler dürfen zwar nicht gebaut werden, den bestehenden Kernkraftwerken wurden aber Restlaufzeiten zugebilligt.

Knapp 30 Prozent steuert Kernenergie derzeit zur Stromerzeugung bei, nur Kohle ist bedeutender. Wird der Ausstieg wie geplant umgesetzt, werden es 2015 nur noch 15 Prozent sein. 2020 wären von den derzeit 18 Anlagen nur noch drei am Netz.

Mit dem Kompromiss kann die Branche zur Zeit eigentlich gut leben. „Es hätte schlimmer kommen können“, heißt es. Die aktuelle Diskussion verfolgt sie deshalb mit gemischten Gefühlen. Eine sachliche Debatte ja, aber neue Grabenkämpfe wolle man vermeiden, lautet die Devise.

Die Konzerne spielen auf Zeit und hoffen auf einen Regierungswechsel. Dass der Atomkonsens dann komplett fallen wird, glaubten aber nur Optimisten, sagt ein Energiemanager. Das Thema sei so emotional besetzt, dass sich – bei allen derzeitigen Bekenntnissen – wohl auch eine CDU/FDP-Regierung nur behutsam daran wagen werde: „Realistisch ist, dass die Laufzeiten der Kraftwerke verlängert werden“. Eine Einschätzung, die offenbar von einer breiten Masse getragen wird: Bei einer Umfrage der Marktforschungsfirma Trend Research unter Energiemanagern gaben immerhin zwei Drittel an, sie rechneten mit einer Laufzeitverlängerung – und das war noch bevor die Debatte wieder schärfer wurde.

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