Die Branche rechnet damit, die Talsohle im Verlauf des kommenden Jahres zu erreichen
Mit der Bauindustrie geht es weiter abwärts

Die deutsche Bauwirtschaft setzt ihren Schrumpfkurs fort. Zwar sei die Zahl der Baugenehmigungen merklich gestiegen, doch die Branche werde die Talsohle wohl erst im Verlauf des Jahres 2004 erreichen.

lü DÜSSELDORF. Dies teilte der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) am Donnerstag in Berlin mit. In der ersten Hälfte des laufenden Jahres sei der Auftragseingang erneut um 13,5 % auf rund 23 Mrd. Euro zurückgegangen, sagte HDB-Präsident Ignaz Walter. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verbuchte die Branche im ersten Halbjahr 2003 mit 34,1 Mrd. Euro knapp 9 % weniger Umsatz als im Vorjahr.

Auch Analysten erwarten erst für 2004 eine Belebung. Die Baukrise werde jedoch bereits im Frühjahr zu Ende gehen, zeigte sich Harald Braun von der Bayerischen Landesbank optimistisch. Eine einheitliche Aussage, wann und wo es wieder aufwärts gehe, gebe es allerdings nicht. „Es gibt gerade in der Bauwirtschaft regionale Konjunkturen, die völlig unterschiedlich sein können.“

Vom Negativtrend abgekoppelt haben sich offenbar einige Großunternehmen. So zeigen sich Hochtief und Bilfinger Berger relativ unbeeindruckt von der Baukrise. Das deutsche Baugeschäft der Essener Hochtief AG ist laut Vorstandschef Hans- Peter Keitel während des zweiten Quartals 2003 sogar in die Gewinnzone zurückgekehrt. Auch Bilfinger-Chef Herbert Bodner rechnet für das laufende Jahr mit einer Umsatz- und Ergebnisverbesserung. Keitel zeigt sich optimistisch, „dass der tief greifende Anpassungsprozess der Branche im nächsten Jahr langsam zu einem Ende kommt.“

Pessimistischer äußern sich dagegen die Vertreter der mittelständischen Unternehmen. Heinz-Werner Bonjean, Vorsitzender der Bundesvereinigung Bauwirtschaft (BVB), rechnet frühestens 2005 mit einer Erholung am Bau. Der BVB ist die Dachorganisation von elf Verbänden des mittelständischen Bau- und Ausbaugewerbes und vertritt 300 000 Firmen mit einem Umsatz von 191 Mrd. Euro.

Die Krise am Bau wird laut HDB im laufenden Jahr etwa jeden zehnten Arbeitsplatz in der deutschen Bauwirtschaft kosten. Damit wären 92 700 Beschäftigte betroffen. Sämtliche Sparten des Baugeschäfts litten derzeit unter sinkenden Aufträgen.

Der Wirtschaftsbau wird nach Walters Einschätzung die Talsohle erst verlassen, wenn die gesamtwirtschaftliche Rezession überwunden ist. Für den öffentlichen Bau forderte er, den Investitionsstau endlich abzubauen. Die Bauwirtschaft erwarte, dass mehr Infrastrukturprojekte von der Privatwirtschaft realisiert würden und die so genannten Public- Private-Partnership-Modelle, bei denen private Unternehmen und die öffentliche Hand gemeinsam investieren, ausgebaut würden.

Die Zahl der fertiggestellten Wohnungen werde voraussichtlich 2003 um 6 % auf gut 270 000 zurückgehen. Eine gewisse Bodenbildung im westdeutschen Mietwohnungsbau gebe der Branche jedoch Hoffnung für das kommende Jahr, sagte Walter. Die Wohnungsbau-Konjunktur könne sich jedoch nur verbessern, wenn es gelinge, das Vertrauen der Haushalte in den konjunkturellen Aufschwung zu stärken „und den Kahlschlag im Bereich Eigenheimförderung“ abzuwenden.

Damit bezog sich Walter auf die von der Bundesregierung vorgeschlagene Streichung der Eigenheimzulage. Der Neubau von Häusern und Wohnungen würde nach den Plänen ab 1. Januar 2004 nicht mehr gefördert. Die endlose Debatte darum hat sowohl Bauherren wie Bauindustrie verunsichert.

Der Gesamtverband der Wohnungswirtschaft (GdW) befürchtet „massive Einbrüche im Bausektor“, so Präsident Lutz Freitag. Jungen Ehepaaren, aber auch kinderlosen Singles werde es künftig schwer fallen, Wohneigentum zu erwerben. Bau- Analyst Braun sieht die Diskussion gelassener. Er glaubt nicht, dass ein Wegfall der Förderung signifikante Auswirkungen auf die Baukonjunktur hat. „Die Zulage wird zwar gerne kassiert, dürfte jedoch kaum ausschlaggebend sein für die grundsätzliche Entscheidung zu bauen.“

Quelle: Handelsblatt

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