Die Cash-Bilanz von Big Pharma
Medikamentenhersteller setzen auf höhere Dividenden

In puncto Wachstum und Kursphantasie haben die großen Arzneimittelkonzerne derzeit wenig zu bieten. Aber ihre Rolle als Cash-Lieferanten für die Anteilseigner meistern sie besser denn je: Statt auf Übernahmen setzen die führenden Medikamentenhersteller auf höhere Dividenden und Aktienrückkäufe.

FRANKFURT. Die zehn führenden Vertreter der Branche schütteten nach Handelsblatt-Berechnungen im vergangenen Jahr die Rekordsumme von rund 68 Mrd. Dollar in Form von Dividenden und Aktienrückkäufen an ihre Aktionäre aus. Das waren 18 Mrd. Dollar mehr als im Vorjahr und rund neun Mrd. Dollar mehr als die laufenden Ausgaben für Forschung und Entwicklung.

Allein das Volumen der Aktienrückkäufe stieg um fast drei Viertel (siehe Grafik). "Vor allem bei den europäischen Pharmakonzernen dürfte sich dieser Trend fortsetzen", schätzt Olaf Tölke, Pharmaexperte der Kreditbewertungsagentur Standard & Poor?s. So hat die britische Glaxo-Smithkline, die Nummer zwei der Branche, für 2008 Aktienrückkäufe von umgerechnet rund zwölf Mrd. Dollar angekündigt. Eine Grundlage für den Geldregen bieten zum einen die nach wie vor sehr hohen Margen im Medikamentengeschäft sowie umfangreiche Sparprogramme bei Pharmariesen wie Pfizer, Glaxo-Smithkline und Merck & Co. Die führenden zehn Vertreter der Branche haben 2007 in der Summe zwar einen leichten Rückgang der Nettogewinne ausgewiesen. Sie konnten ihren frei verfügbaren operativen Cash-Flow (nach Sachinvestitionen) aber nochmals um rund sieben Prozent auf gut 72 Mrd. Dollar steigern.

Relativ zum Eigenkapital erzielten sie damit eine Cash-Flow-Rendite von durchschnittlich 21 Prozent. Zum Vergleich: Die 23 Industrieunternehmen im Dax-30 erwirtschafteten im vergangenen Jahr zusammen einen Free-Cash-Flow von umgerechnet etwa 40 Mrd. Dollar, was im Schnitt lediglich acht Prozent des eingesetzten Eigenkapitals entspricht.

Zugute kommt den Pharma-Aktionären ferner die Tatsache, dass sich die Unternehmen - ungeachtet aller Wachstumsschwächen- mit Akquisitionen eher zurückhalten. Von wenigen Ausnahmen wie Novartis (mit dem geplanten Einstieg bei Alcon) sowie Astra-Zeneca (mit der Übernahme von Medimmune) abgesehen, beschränken sich Zukäufe überwiegend auf kleinere Biotechfirmen, die mühelos aus dem laufenden Cash-Flow finanziert werden können.

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