Die chemische Industrie kämpft weltweit mit einem Wachstumsproblem und steht vor einer Konsolidierung
Asien wird Hauptstandort der Chemie

Bayer trennt Lanxess und damit einen Großteil seines Chemie-Portfolios ab, BASF und Shell kündigen an, sich von ihrem Gemeinschaftsunternehmen Basell zu trennen und BP beabsichtigt, sein Olefin- und Polymer- Geschäft an die Börse zu bringen: Die Konsolidierung in der Chemie-Industrie nimmt Fahrt auf.

DÜSSELDORF. Auch wenn die Branche seit mehr als einem Jahrhundert ein Wachstumstreiber der Weltwirtschaft ist, so befinde sie sich doch erst am Beginn ihrer Konsolidierung, stellt die Unternehmensberatung A.T. Kearney in einer weltweiten Analyse fest.

Grafik zur weltweiten Chemieindustrie

Noch ist der Konzentrationsgrad in der Branche sehr gering: Im Jahr 2003 erzielten die Chemie-Unternehmen weltweit einen Umsatz von mehr als 1 300 Mrd. Euro. Dabei lag der Anteil führender Unternehmen wie BASF, Dow und DuPont mit je etwa 30 Mrd. Euro bei unter drei Prozent am Gesamtmarkt.

„Auch wenn Teilsegmente – etwa die Agrochemikalien oder bestimm- te Polymermärkte – schon deutlich konsolidiert sind“, sagt Thomas Rings, Branchenexperte bei A.T. Kearney, „steht der Gesamtbranche ihre Bereinigung noch bevor.“

Vor über zehn Jahren begann zunächst Hoechst mit seiner strategischen Neuausrichtung. Dann folgten große Fusionen wie Degussa, Hüls, SKW Trostberg und Laporte. Ihr Problem war, dass die Chancen auf organisches Wachstum in den angestammten Absatzregionen Europa und USA immer magerer wurden und der Aufbau neuer Kapazitäten in anderen Märkten signifikante Investitionen erfordert.

Außer über Zusammenschlüsse optimieren die Unternehmen aber auch ihre Portfolios, indem sie sich aus Segmenten zurückziehen, die nicht mehr passen oder Renditeerwartungen nicht erfüllen. Auf diese Weise hat die BASF in den vergangenen zehn Jahren rund 30 Prozent ihres Portfolios ausgetauscht.

Durch dieses aktive Portfolio-Management entstehen in Teilbranchen der Chemie aber auch regionale Champions, die sich auf bestimmte Produktsegmente spezialisieren und regional führend sind – so etwa der Kunststoffhersteller Basell in Europa. Unternehmensberater Rings rechnet damit, dass diese „regionalen Champions“ den Konsolidierungstrend verstärken werden: „Sie haben nur begrenzte Chancen organisch zu wachsen und werden versuchen, durch Akquisition in anderen Regionen, Segmenten und Abnehmerbranchen zu wachsen.“

Gleichzeitig ist offensichtlich, dass Mineralölkonzerne in die Chemiemärkte vordringen. Zum Beispiel wird im Mittleren Osten in höherwertige erdölbasierte Produkte investiert. Die iranische Ölindustrie etwa beabsichtigt, in den nächsten fünf Jahren ihre PVC-Produktionsmöglichkeiten zu verdoppeln.

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