Die Einführung von Fallpauschalen für Krankenhäuser könnte zu einem Investitionsschub führen
Medizintechnik muss sich auf neue Regeln einstellen

Industrieverbände sind eigentlich dazu gedacht, die Unternehmen einer Branche mit einer Stimme sprechen zu lassen. Doch wer sich in diesen Tagen mit Verbandsvertretern der Medizintechnik unterhält, bekommt widersprüchliche Informationen.

ant FRANKFURT/M. Das liegt daran, dass die Medizintechnik verglichen mit anderen Industriezweigen in besonders viele Segmente zerfällt, die teilweise völlig unterschiedlichen Trends folgen.

Der Branchenverband Spectaris beziffert das Umsatzwachstum der Medizintechnik im vergangenen Jahr auf 4,9 %. Die rund 200 Mitgliedsunternehmen des BVMed verbuchten immerhin einen Zuwachs von 3,9 %. Beide Organisationen vertreten nach eigenen Angaben viele Unternehmen, deren Produkte mit den Krankenkassen abgerechnet werden. Sie berichten übereinstimmend von einer Belebung des Inlandsgeschäfts im Schlussquartal.

Eine mögliche Erklärung für den unerwartet guten Jahresausklang sieht der Statistikexperte Mike Bähren von Spectaris darin, das viele Patienten vor dem Jahreswechsel noch schnell zum Arzt gingen, um der Praxisgebühr und den gestiegenen Zuzahlungen zu entgehen. Ähnliches hatten auch andere Anbieter des Gesundheitswesens, etwa die Optiker und die Hersteller von rezeptfreien Medikamenten, berichtet.

Die rund 100 Mitglieder des Fachverbands elektromedizinische Technik im ZVEI bekamen diese Sonderkonjunktur dagegen nicht zu spüren. Der Industrieverband, der sich von den beiden anderen Branchenvertretern dadurch unterscheidet, dass er ausschließlich Gerätehersteller zu seinen Mitgliedern zählt, erwartet für 2003 und 2004 bei weiterhin stagnierenden Inlandsumsätzen lediglich einen leichten einstelligen Umsatzanstieg.

Dass die Medizintechnik keinem einheitlichen Konjunkturzyklus folgt, liegt zum Teil an dem für das deutsche Gesundheitswesen charakteristischen dualen Finanzierungssystem. Produkte, die während der medizinischen Behandlung verbraucht werden, also etwa Verbandsmittel, Medikamente oder Kanülen, werden mit den Krankenkassen abgerechnet. Die Anschaffung von Röntgengeräten und anderen Investitionsgütern werden dagegen aus öffentlichen Geldern bezahlt.

In den vergangenen Jahren waren es vor allem die Hersteller Wundverbänden und anderen Verbrauchsgütern, die von den gestiegenen Patientenzahlen profitierten. Dank des neuen Abrechnungssystem für Krankenhäuser könnte sich das Blatt in den kommenden Jahren jedoch zu Gunsten der Gerätehersteller wenden, hofft der Fachverband elektromedizinische Technik.

Denn mit der schrittweisen Einführung der Fallpauschalen wird die Vergütung medizinischer Behandlungen im Krankenhaus in den kommen Jahren bundesweit vereinheitlicht. Um im Wettbewerb mit anderen Krankenhäusern nicht zurückzufallen, müssen viele Krankenhäuser nach Einschätzung des Verbands der Gerätehersteller in den kommenden Jahren kräftig in neue Medizintechnik investieren. „Realistischerweise wird das aber erst in drei bis vier Jahren bei den Herstellern ankommen“, sagt ein Verbandssprecher.

Gleichzeitig verfinstert sich aber auch das Bild für die Hersteller von Verbrauchsgütern. Neben hohen Rohstoffkosten, die bei Massenprodukten leicht ins Kontor schlagen, beklagen sie vor allem die Einkaufsgemeinschaften der Krankenhäuser, die kräftige Preisnachlässe bewirkten.

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