Die Einzelhändler in den Grenzregionen zu Polen und Tschechien leiden unter Absatzeinbrüchen
Zigarettenschmuggel erlebt Renaissance

„Der deutsche Handel mit Tabakwaren ist in den Grenzregionen zu Polen und Tschechien praktisch zum Erliegen gekommen.“ Dieses für seine Branche bittere Resümee aus EU-Osterweiterung und mehrfacher Tabaksteuererhöhung in Deutschland zieht Willy Fischel, Geschäftsführer des Bundesverbandes des Tabakwareneinzelhandels (BTWE).

ire DÜSSELDORF. Die Öffnung der deutschen Grenze Richtung Osten vor genau einem Jahr habe den deutschen Tabakwarenhändlern nur Nachteile gebracht, denn die Konsumenten wichen zum großen Teil auf preiswerte Schmuggelware aus den Nachbarstaaten aus oder decken sich ganz legal direkt in Polen oder Tschechien mit Zigaretten ein. Nach der letzten Tabaksteuererhöhung im Januar beträgt der Verkaufspreis für eine Schachtel Markenzigaretten in Deutschland 4,20 Euro. In Polen und Tschechien kosten zwanzig Zigaretten hingegen nur 1,60 bis 1,90 Euro. Die Versuchung für Grenzgänger, mehr als die erlaubte Menge von 40 Zigaretten einzuführen, ist groß, zumal der Zoll dem massenhaften Schmuggel hilflos gegenübersteht.

In Frankfurt an der Oder beispielsweise trage inzwischen nur noch jede vierte im Umlauf befindliche Zigarettenpackung eine deutsche Steuerbanderole, in Cottbus noch jede zweite, berichtet Peter Lind, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Tabakwaren-Großhändler (BDTA).

Nach einer soeben veröffentlichten Untersuchung des Marktforschungsunternehmens AC Nielsen brach der Zigarettenabsatz in Deutschland 2004 insgesamt um knapp 14 Prozent ein. Speziell in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg mit seiner 800 Kilometer langen Grenze zu Polen erlitt der Handel ein durchschnittliches Minus von fast 25 Prozent.

Während die multinational agierenden Zigarettenhersteller wie Philip Morris oder Imperial Tobacco die Umsatzverschiebungen zwischen nationalen Märkten weitgehend kompensieren können, bleiben bei der gegenwärtigen Entwicklung vor allem deutsche Kioske und kleine Fachgeschäfte auf der Strecke. Wie viele Händler inzwischen ihr Geschäft in aller Stille aufgegeben haben, kann jedoch noch niemand beziffern. Das Statistische Bundesamt liefert diese Daten erst mit zweijähriger Verzögerung.

„Diese Entwicklung führt zur Existenzvernichtung kleinerer Einzelhandelsgeschäfte, die vor allem in Ostdeutschland nicht auf Rosen gebettet sind“, klagt Christian Berner, Chef des Großhändlers Lekkerland-Tobaccoland und fordert zumindest die Aussetzung der geplanten weiteren Tabaksteuererhöhung.

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