Die Erfolgschancen für das neue Asthmamittel Roflumilast sind weiter gestiegen
Positive Daten geben Altana Auftrieb

Die Chancen des Altana-Konzerns, im Pharmageschäft einen zweiten Bestseller auf den Markt zu bringen, haben sich weiter verbessert. So jedenfalls interpretierten Analysten und Investoren die neuen Studienresultate, die der Bad Homburger Konzern am Sonntagabend für sein Atemwegsmittel Roflumilast präsentierte.

shf FRANKFURT/M. Die Aktie des Pharmaherstellers, die in der vergangenen Woche bereits deutlich nach oben tendierte, legte am Montag um mehr als 4 % zu.

Roflumilast ist ein Schlüsselprodukt für den Altana-Konzern. Denn bei erfolgreicher Markteinführung könnte es die Abhängigkeit des Konzerns vom bisherigen Hauptprodukt, dem Magenmedikament Pantoprazol, mindern und zugleich das längerfristige Wachstum absichern. Zudem spielt das Mittel, das das Unternehmen unter dem Namen „Daxas“ vertreiben will, eine zentrale Rolle beim geplanten Ausbau der Vertriebsaktivitäten in den USA. Dort will Altana bis Ende 2004 eine Zulassung beantragen, wobei der exakte Zeitplan noch mit dem Vertriebspartner Pfizer diskutiert wird. In Europa will Altana das Medikament noch im laufenden Jahr zur Zulassung einreichen. Schätzungen für den Spitzenumsatz bewegen sich zwischen 0,8 und 2 Mrd. $.

Allerdings galt Roflumilast bislang auch als relativ riskantes Entwicklungsprojekt. Denn der Wirkstoff gehört zu einer Substanzgruppe, den so genannten PDE4- Hemmern, mit denen sich die Pharmabranche bisher außerordentlich schwer getan hat. Etliche große Konzerne sind mit Molekülen aus der Gruppe bereits gescheitert, meist wegen zu hoher Nebenwirkungen. Zuletzt wurde ein ähnliches Mittel der britischen Glaxo Smithkline von einem Beratergremium der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA abgelehnt.

Zweifel, die aus solchen Erfahrungen resultieren, hat Altana mit den jüngsten Daten offenbar entkräftet. In einer Studie mit mehr als 1 400 Patienten, die an chronischer Bronchitis leiden, brachte das Medikament eine Verbesserung des Atemvolumens von durchschnittlich rund 100 Milliliter – bei relativ geringen Nebenwirkungen. Der Wirkstoff schnitt damit deutlich besser ab als das gescheiterte Konkurrenzprodukt von Glaxo Smithkline (20 - 40 ml).

Viele Analysten gehen nun davon aus, dass Altana das erste Unternehmen sein kann, das ein Mittel aus der neuen Substanzklasse auf den Markt bringt. „Wir sind noch optimistischer für Roflumilast als bisher“, kommentiert Andreas Schmidt von Merrill Lynch die Resultate. Oppenheim-Analyst Peter Düllmann spricht von einem großen Schritt vorwärts in Richtung Markteinführung.

Als aussichtsreich gilt der Wirkstoff nicht zuletzt deshalb, weil er im Erfolgsfall sowohl bei Asthma als auch bei chronischer Bronchitis (Raucherhusten) eingesetzt werden kann. Vor allem bei chronischer Atemnot, die inzwischen zu den häufigsten Todesursachen in der westlichen Welt zählt, stehen bislang nur relativ wenig Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Eine weitere Neuentwicklung auf dem Gebiet, das in Europa bereits zugelassene Medikament Spiriva von Boehringer Ingelheim, gilt nicht als Konkurrenzprodukt zu dem Altana-Produkt, sondern eher als Ergänzung. Auch für dieses Mittel hat sich der US-Konzern Pfizer Vertriebsrechte gesichert.

Für Altana ist Roflumilast ein maßgeblicher Baustein, um im Bereich Atemwege ein zweites Standbein für das Pharmageschäft aufzubauen. Ein weiteres Asthmamedikament, das Mittel Alvesco, befindet sich bereits im Zulassungsverfahren. Bislang ist der Konzern noch stark vom Magenmittel Pantoprazol abhängig, das 2002 gut die Hälfte zum Pharmaumsatz von 1,9 Mrd. Euro beigetragen hat. Das Mittel bringt bislang noch starkes Umsatzwachstum. Doch rechnen viele Experten damit, dass der Trend abflacht, weil sich die Konkurrenz bei Magenmitteln verschärft.

Neue Standbeine

Magenmedikamente, insbesondere das Mittel Pantoprazol, ebneten Altana den Aufstieg ins Mittelfeld der Pharmabranche. Pantoprazol erzielt inzwischen einen Weltumsatz von mehr als 2 Mrd. Euro, davon allerdings die Hälfte bei externen Vertriebspartnern wie dem US-Konzern Wyeth.

Atemwegs-Mittel sollen in den kommenden Jahren ein zweites Standbein für das Pharmageschäft schaffen. Neuentwicklungen wie Roflumilast und Alvesco will Altana außerdem dazu nutzen, eigene Vertriebsaktivitäten auf dem US-Markt aufzubauen.

Die Krebstherapie soll mittelfristig einen weiteren Schwerpunkt bilden. Zusammen mit der Münchener GPC AG baut Altana dazu ein Forschungszentrum in den USA.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%