Industrie
Die Fließband-Kreativen graben den Designern das Wasser ab

H&M aus Schweden ist bereits die Nummer zwei des Weltmarkts, Esprit mit Sitz in Hongkong schickt sich an, zur Nummer drei zu werden – hinter dem US-Anbieter Gap. Branchenkenner nennen die Riesen teils ehrfürchtig, teils abwertend die „Vertikalen“. Sie haben die traditionelle arbeitsteilige Struktur zwischen Industrie und Handel aufgehoben und kontrollieren die Wertschöpfungskette vom Schneider bis zur Ladentheke.

sts HB DÜSSELDORF. Sie brauchen keine Modejournalisten, die ihre neuesten Kreationen bejubeln. Sie kommen ohne Fachhändler aus, weil sie ihre Kollektion in eigenen Filialen verkaufen. „Nur deshalb sind diese Anbieter so schnell, weil sie sich den Schritt zwischen Herstellern und Händlern sparen“, sagt Heijo Gassenmeier, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands des Deutschen Textileinzelhandels. Im Idealfall hängt ein T-Shirt sechs Wochen nach dem Entwurf im Laden.

Gegner werfen den Vertikalen vor, dass sie nur imitieren, was die großen Namen vormachen. Dafür reagieren H&M oder Esprit schneller: Während Armani zweimal jährlich zur Modenschau bittet, präsentieren sie neue Entwürfe monatlich im Laden. Der Verbraucher macht eine Tugend daraus: Es gilt als chic, eine Prada-Jacke mit einer H&M-Hose zu kombinieren. Die Sparsamkeit der Verbraucher macht den Nobeldesignern zusätzliche Sorgen. Auch Hersteller im mittleren Preissegment werden Probleme bekommen: Nach einer KPMG- Studie wird sich ihr Marktanteil in Deutschland von 25 Prozent in 2002 auf 20 Prozent 2005 reduzieren. Zu Gunsten von Discountern oder Filialbetrieben.

Für Heinz Krogner, Vorstandsvorsitzender von Esprit, liegt der Erfolg seines Unternehmens auf der Hand: „Die Leute wollen keine abgedrehte Mode, sie wollen Neuheiten.“ Deshalb arbeiten seine Designer wie Controller, sie richten ihre Entwürfe nach den wöchentlichen Verkaufszahlen. Gewinn und Umsatz wachsen zweistellig. Im Geschäftsjahr 2002/3 (30.6.) hat Esprit 1,4 Mrd. Euro umgesetzt. Auch Mexx aus Holland meldet laufend Erfolge, 2003 ist der Umsatz um 18 Prozent auf 634 Mill. Euro gestiegen. S’Oliver legte um sieben Prozent auf 700 Mill. Euro zu. Alle Vertikalen bestätigen eine üppige Marge, häufig im zweistelligen Bereich. Zum Vergleich: Die Marge im Textilhandel liegt häufig unter einem Prozent.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%