Die Folgen der Krise
Abschwung wird zum Branchentrend

Die Hälfte der Dax-Unternehmen haben ihr Ergebnis zum zweiten Quartal präsentiert und die Bilanz ist eindeutig: In den meisten Branchen geht es bergab. Die Schwäche der US-Wirtschaft schadet besonders den exportintensiven Branchen. Nur wenige stemmen sich erfolgreich gegen die Krise.

DÜSSELDORF. Der Abwärtssog der US-Wirtschaft hat die nächste Welle der deutschen Top-Konzerne erfasst. „Die bisherige Gewinnsaison der Unternehmen zeigt, dass sich das historische Muster anscheinend auch in diesem Konjunkturzyklus durchsetzen wird“, warnt Andreas Hürkamp von der Commerzbank. Die Branchen fallen um wie die Dominosteine.

Nachdem gut die Hälfte der Unternehmen im Deutschen Aktienindex (Dax) ihr Ergebnis zum zweiten Quartal präsentiert hat, ist die Bilanz eindeutig: Nur wenige verdienen noch prächtig, der Rest muss jetzt einräumen, dass die Finanzkrise und der daraus resultierende Abschwung inzwischen doch durchschlägt. Und teilweise auch noch härter, als zu befürchten war.

Zu den besseren Kandidaten zählen noch der Gasehersteller Linde, der Chemiegigant BASF oder der Dialysespezialist FMC. Auch die Softwareschmiede SAP begeisterte noch einmal ihre Investoren. Aber dann wird es schnell dünn. Nach Banken und Versicherungen, deren Gewinne wie im Vorquartal auch diesmal drastisch einbrechen, trifft es nun konjunktursensible Industriebranchen.

Das passt zu Mustern aus vergangenen Tagen. In Krisen wie in den neunziger Jahren und nach der Jahrtausendwende startete der Abschwung im Bankensektor. Anschließend klagten konsumnahe Zykliker wie Automobil, Einzelhandel und Bau über sinkende Umsätze und Margen. Danach fielen die Gewinne in der Chemie und im Maschinenbau, ehe schließlich defensive Branchen wie Energie und Pharma in Mitleidenschaft gerieten.

Danach sieht es jetzt wieder aus. Im dritten Quartal 2007 brach die Serie der Rekordgewinne der Banken. Erholung ist nicht in Sicht, wie Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann bei Vorlage seines Quartalsberichts und neuerlichen Abschreibungen in Höhe von 2,3 Mrd. Euro einräumte. Jetzt sind die Automobilhersteller dran. BMW reduzierte seine Gewinnerwartungen um fast die Hälfte. Daimler teilte mit, Schwächen in den USA nicht mehr kompensieren zu können. Absatzeinbrüche von zehn Prozent in Großbritannien, 20 Prozent in Italien und 30 Prozent in Spanien seien im Frühjahr noch nicht abzusehen gewesen.

Drei Ursachen werden überwiegend für die Misere genannt: Erstens verschlechtert der starke Euro die ohnehin schwierige Konkurrenzsituation im Dollarraum. Wer in Euro produziert, hat preisliche Wettbewerbsnachteile. Zweitens erhöhen steigende Rohstoff- und Energiepreise die Herstellungskosten. Obendrein belastet schließlich die schwächere Konjunktur in immer mehr Ländern – nach den USA auch Spanien und Großbritannien – die Auftragseingänge. Die Kunden verschieben Neuanschaffungen einfach oder kaufen billigere Waren.

Seite 1:

Abschwung wird zum Branchentrend

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%