Die Fonds sind offenbar in das Pokerspiel eingestiegen
Endesa umwirbt die Großaktionäre

Der Kampf um die feindliche Übernahme des spanischen Stromversorgers Endesa durch die Gasgesellschaft Gas Natural geht in die entscheidende Phase. Beide Konzerne versuchen derzeit, die Großaktionäre auf ihre Seite zu ziehen.

LONDON/MADRID. „Wir haben die Unterstützung der Aktionäre und werden alles unternehmen, um die Übernahme zu verhindern“, sagte Endesa-Chef Manuel Pizarro am Wochenende. Die Analysten haben ihr Urteil aber schon gefällt: Strategisch ergibt die Verbindung Sinn – vorausgesetzt, die Kartellbehörden verhängen nur geringe Auflagen.

Die spanische Gas Natural hatte den Endesa-Aktionären vor einer Woche eine feindliche Offerte im Volumen von 22,6 Mrd. Euro unterbreitet und kann dabei auf die Unterstützung der Regierung zählen. Die Endesa-Führung kündigte umgehend Widerstand an.

Gas-Natural-Chef Rafael Villaseca habe am Freitag persönlich in London seine Strategie Investmentfonds präsentiert, hieß es aus Finanzkreisen. Die Endesa-Führung wolle in den kommenden Tagen ebenfalls vor Ort für ihre Position werben. Ihr Hauptargument: Der von Gas Natural gebotene Preis von 21,30 Euro je Aktie sei zu gering. Endesa wird von Deutscher Bank, Citigroup, Lehman Brothers und J.P. Morgan beraten, Gas Natural hat Goldman Sachs, UBS und Freshfields beauftragt.

Die institutionellen Anleger werden letztlich über Erfolg oder Misserfolg entscheiden: Sie halten die Mehrheit der Endesa-Anteile. Und die Fonds sind offenbar in das Pokerspiel eingestiegen. Sie verlangten einen höheren Preis – und vor allem eine höhere Barkomponente, hieß es in Finanzkreisen. Bislang will Gas Natural 65,5 Prozent der Übernahme mit Aktien bezahlen.

Auf Unterstützung kann Endesa-Chef Pizarro zumindest bei seinem größten Einzelaktionär, der Sparkasse Caja Madrid, hoffen. Sie will einen größeren Einfluss der konkurrierenden Sparkasse La Caixa aus Barcelona verhindern, die bei Gas Natural die Fäden zieht. Gas Natural wirbt bei den Aktionären mit der Vision, einen Strom- und Gasriesen aufbauen zu wollen. Der neue Konzern wäre der mit Abstand größte Versorger in Spanien und die Nummer eins in Lateinamerika. Er hätte weltweit 30 Mill. Kunden, davon 16 Mill. in Europa. Hier könnte er zu Electricité de France, Eon und RWE zwar nicht aufschließen, aber den Abstand verringern.

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