Die Fronten im Mannesmann-Prozess
Im Namen des Volkes

Am Freitag geht der Mannesmann-Prozess in eine neue Runde. Es geht um komplizierte Auslegungen von Aktien- und Strafrecht. Um einen äußerst schmalen Grat zwischen unternehmerischer Freiheit und der Hybris, tun und lassen zu können, was man mag. Es geht um die Vorgaben des BGH, der die Freisprüche im ersten Prozess aufgehoben hat. Die Bühne ist bereitet, doch imposant ist sie nicht.

DÜSSELDORF. Die Bühne ist bereitet, doch imposant ist sie nicht. Eher schlicht und funktional. Dunkle Tische mit Holzfurnier auf grauem Filz, die Wände kahl, Lampen, die die 70er-Jahre-Szenerie in ein ungesundes Licht tauchen. Saal L 111, der größte im Landgericht Düsseldorf, auch „Schwurgerichtssaal“ genannt. Hier beginnt am Freitag die Neuauflage des wichtigsten Wirtschaftsstrafverfahrens in der Geschichte der Bundesrepublik, hier beginnt der Mannesmann-Prozess, zweiter Teil.

Es geht um komplizierte Auslegungen von Aktien- und Strafrecht. Um einen äußerst schmalen Grat zwischen unternehmerischer Freiheit und der Hybris, tun und lassen zu können, was man mag. Es geht um die Vorgaben des Bundesgerichtshofs, der die Freisprüche im ersten Prozess aufgehoben hat.

Mitten im Raum, direkt gegenüber dem Vorsitzenden Richter Stefan Drees und seinen Beisitzern, sind mächtige Tischreihen aufgebaut. Sechs Angeklagte werden dort jeweils zwei Tage die Woche sitzen: Josef Ackermann, Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Klaus Zwickel, bis Mitte 2003 Leiter der IG Metall, der einstige Mannesmann-Chef Klaus Esser und sein Vorgänger Joachim Funk, zuletzt Aufsichtsratsvorsitzender des Unternehmens, der frühere Konzernbetriebsratsvorsitzende Jürgen Ladberg und der ehemalige Mannesmann-Manager Dietmar Droste. Dazu: fast ein Dutzend Strafverteidiger, die hier zu Lande zu den besten gehören.

Teilweise sind sie seit Anbeginn im Januar 2004 dabei, teilweise sind sie ausgewechselt worden. So haben sich etwa Esser und sein Anwalt Sven Thomas getrennt. Aus Kreisen der Beteiligten ist zu hören, dass dies einen eher banalen Grund hat. Die Berichterstatterin des Verfahrens, Richterin Christa Mosiek, ist mit Marcus Mosiek verwandt. Der wiederum ist Partner in Thomas’ Kanzlei. Essers Neuer ist Daniel Krause. Der 42-Jährige gilt als Aufsteiger unter den auf Wirtschaftsdelikte spezialisierten Strafverteidigern.

Links von der Richterbank, unterm Fenster, sitzen die Ankläger: Oberstaatsanwalt Peter Lichtenberg, der neu dazugestoßen ist, und Staatsanwalt Dirk Negenborn, der bereits beim ersten Prozess dabei war. Die zwei von der Anklage werfen den sechs Untreue in einem besonders schweren Fall beziehungsweise Beihilfe dazu vor.

Seite 1:

Im Namen des Volkes

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%