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27.05.2007 

Die Verhör-Atmosphäre ist gewollt. Sie soll den Beschuldigten den Ernst der Lage vor Augen führen. So mancher ist hier schon eingeknickt und hat sich zur Kooperation bereit erklärt. Das ist eine der wichtigsten Taktiken der SEC-Ermittler: Ein kleineres Licht in einem größeren Betrugsfall so unter Druck zu setzen, dass er aus- packt gegen die Großen. Die Kronzeugen bekommen dafür oft Strafminderung oder gar Straffreiheit zugesichert. Das wirkt. Für Informanten, die freiwillig kommen und wichtige Hinweise liefern, kann die SEC zudem Prämien aussetzen. Bis zu zehn Prozent der verhängten Strafe kann ein solches Kopfgeld betragen.

Die meisten Verfahren kommen nie vor einen Richter, sondern enden in einem Vergleich. Im vergangenen Jahr zog die SEC nur zehnmal vor Gericht - zehnmal mit Erfolg. "Das ist das erste perfekte Jahr", sagt nicht ohne Stolz Chairman Christopher Cox, und "ein starkes Indiz dafür, dass die Behörde die richtigen Fälle vor Gericht bringt und dabei solide Ergebnisse für Investoren und Steuerzahler erreicht".

Die SEC ist eine sehr verschwiegene Behörde. John Heine, Nachfahre von deutschen Einwanderern und während seiner Zeit beim US-Militär in Franken stationiert, leitet die Öffentlichkeitsarbeit. Sein häufigster Kommentar: "No comment." In der Regel bestätigt die SEC nicht einmal, dass sie eine Untersuchung gegen ein Unternehmen eingeleitet hat, selbst wenn das Unternehmen dies längst öffentlich gemacht hat. Zunächst gilt die Unschuldsvermutung. "Während einer Untersuchung machen weder die Ermittler noch die Commission irgendwelche Aussagen über Fehlverhalten", heißt es in einem Papier der Behörde, auf diese Weise könne die "bloße Existenz einer Untersuchung einem Individuum oder einem Unternehmen nicht schaden".

Das mag blauäugig klingen. Denn meist sind die Unternehmen gezwungen, eine gegen sie gerichtete Untersuchung bekannt zu geben. Für Vorgeladene und ihre Anwälte beginnt dann ein heißer Tanz. Die SEC-Ermittler bereiten sich durch umfangreiche Recherchen meist brillant auf die Verhöre vor.

Die Perfektion der SEC-Maschinerie kann nicht verwundern. Mittlerweile gilt die Behörde für Top-Absolventen der Law Schools des Landes als Sprungbrett für eine steile Karriere an der Wall Street oder in den Washingtoner Regierungsapparat. Rund 80 Prozent der SEC-Mitarbeiter sind Juristen. Der Ehrgeiz der Ermittler ist fast schon legendär. So manchem muss es ein besonderer Genuss sein, dem Staranwalt mit maßgefertigten Schuhen und Designeranzug, den ein "Zeuge" mitgebracht hat und der wahrscheinlich ein Stundenhonorar kassiert, das höher ist als der Wochenverdienst der SEC-Juristen, so richtig einzuheizen.

Ethiopis Tafara ist einer der ehrgeizigen jungen Anwälte bei der SEC. Vor knapp vier Jahren, im Alter von 39 Jahren, übernahm er den Posten des Director of the Office of International Affairs, nur eine Stufe unter den Commissioners. In seinem hellen und freundlichen Büro gleich unter dem Dach in einem Seitenflügel steht eine beigefarbene, moderne Couchgarnitur.

Lesen Sie weiter auf Seite 4: Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ist der Beratungsbedarf enorm angestiegen.

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