Der Kontrast zu den spartanischen Verhörräumen im Souterrain könnte nicht größer sein. Doch hier nehmen auch nicht die bösen Buben Platz, denen die SEC das Handwerk legen will. Hier trifft Tafara zum Beispiel Delegierte von Regulierungsbehörden aus aller Welt, denen die Amerikaner Starthilfe und Seminare in Sachen Finanzaufsicht erteilen. Das geschieht nicht ohne Eigennutz. "Die Globalisierung des Betrugs ist ein kritischer Punkt für jede Regulierungsbehörde", sagt Tafara, "denn illegale Aktionen, die nicht aufgespürt und verfolgt werden, betreffen jeden unserer Märkte."
Vor allem nach dem Fall des Eisernen Vorhangs sei der Beratungsbedarf enorm angestiegen. Mit mehr als 30 Ländern hat die SEC bereits bilaterale Abkommen zum Austausch von Informationen getroffen - auch ein Erfolg von Tafara, denn vor drei Jahren waren es erst rund 20. In jüngster Zeit führten SEC-Leute Trainingsprogramme unter anderem in China, Indien, Vietnam, Ecuador und Saudi-Arabien durch.
"Die Arbeit bei der SEC ist sehr befriedigend", sagt Tafara, der in Georgetown und Princeton Recht studiert hat und zu Beginn seiner Karriere für eine Anwaltskanzlei in Brüssel arbeitete. "Wir haben es hier mit einer Reihe von Sachverhalten zu tun, die sehr sexy sind - und tragen dabei eine große Verantwortung."
Kein Zweifel: Hier sitzen Überzeugungstäter. Die Fluktuation ist relativ gering, die Behörde zählt nach einer Umfrage von "US News & World Report" zu einem der begehrtesten Arbeitsplätze in der US-Regierungsverwaltung. "Wir arbeiten sehr hart hier, aber bei der SEC zu sein bringt auch eine attraktive Balance zwischen Arbeit und Privatleben. Das zieht sicherlich viele Leute an", sagt Tafara. "Die SEC ist ein fantastisches Übungsterrain für Anwälte. Viele bekommen Jobangebote von der Wall Street oder von hochkarätigen Anwaltskanzleien. Aber einige bevorzugen dennoch den Dienst für die Allgemeinheit."
Tafaras Abteilung wird in Zeiten der Globalisierung immer wichtiger. Betrüger nutzen Ländergrenzen und verschachtelte Transaktionen, um illegale Transaktionen zu vertuschen. Die Anfragen zum Informationsaustausch an ausländische Regulierungsbehörden stiegen seit 2002 von 448 auf 561 in 2006 an. Die Anfragen aus dem Ausland an die SEC pendelten im selben Zeitraum zwischen 315 und 372. Die außerhalb der USA auf Betreiben der SEC eingefrorenen Guthaben sehen mit einer Summe von 20,7 Millionen Dollar im Jahr 2006 zwar noch bescheiden aus. Doch das kann sich - schon mit einem Großfall wie Siemens - schnell ändern.
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