Doch den Abwärtsstrudel auf den großen etablierten Automärkten können auch die kleinen Flitzer nicht aufhalten. Von Nordamerika über Westeuropa bis nach Japan - auf den "Triade-Märkten" meldeten die Autokonzerne im ersten Halbjahr 2008 rückläufigen Absatz. Daran wird sich nach den Prognosen des Brancheninstituts B&D Forecast auch im Gesamtjahr nichts ändern.
Zum Hoffnungsträger für die Branche steigen damit die Schwellenländer auf - dort werden nach Branchenschätzungen allein in diesem Jahr 22,7 Millionen Autos verkauft. Die neuen großen Wachstumsmärkte heißen China, Russland und Indien. "Der zweitbedeutendste Markt nach Westeuropa sind nicht mehr die USA, sondern China", sagte VDA-Präsident Wissmann. Der chinesische Markt hat nach seinen Worten in den ersten fünf Monaten 2008 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 18 Prozent zugelegt. Die deutschen Marken wuchsen sogar noch wesentlich schneller: Sie steigerten ihren Absatz dort um stattliche 27 Prozent. Auch in Russland und Indien legen die Autobauer mit zweistelligen Wachstumsraten zu. So steuern BMW
, Mercedes-Benz, Audi
und Volkswagen
trotz der Schwäche auf dem Heimatmarkt im laufenden Jahr neue Absatzrekorde an. Doch wie lange wird der Boom der Schwellenländer den steigenden Energiepreisen noch trotzen? Die chinesische Regierung hob jüngst die Benzinpreise schon drastisch an - und versetzte den Autofahrern einen schweren Schock.
Das Eis, auf dem die großen Konzerne der Autoindustrie stehen, wird immer dünner, das Marktumfeld von Tag zu Tag rauer. So drückt nicht nur der schwache Dollar auf die Ertragszahlen. Auch die Finanzkrise trifft die Hersteller. Wegen stark fallender Gebrauchtwagenpreise in den USA musste BMW
bereits deutlich mehr Geld für die Risikovorsorge zurücklegen. Auch die rasant steigenden Rohstoffpreise verhageln den Autobauern zunehmend das Geschäft. Seit Januar 2005 hat sich laut VDA nicht nur der Rohölpreis mehr als verdreifacht, auch viele Rohstoffpreise sind drastisch gestiegen: Kupfer um 174 Prozent, Schrott um 176 Prozent und Aluminium um 55 Prozent. Zudem wurde Strom um 60 Prozent teurer. "Das macht uns sehr große Sorgen, auch mit Blick auf unsere Rentabilität", sagte Wissmann. Die Automobilbauer drohen damit, in die Zange zwischen sinkenden Margen und steigenden Rohstoffkosten zu geraten.
Für die ambitionierten Renditepläne der deutschen Premiumhersteller sind das Hiobsbotschaften. Erste Experten beerdigen bereits ihre bisherigen Ergebnisprognosen für die Branche. So schraubten die Analysten der Investmentbank Credit Suisse
vor wenigen Tagen ihre Gewinnschätzungen für den Sektor deutlich nach unten. Laut der Studie ist in den Konsensschätzungen im Markt ein Ölpreis von 130 Dollar je Barrel noch nicht ausreichend berücksichtigt worden. Ein Schock bei den Automobilverkäufen wie in den 70er-Jahren könne nicht mehr ausgeschlossen werden, heißt es. Credit Suisse
geht 2008 von einem Rückgang der Gewinne im Automobilsektor von fünf Prozent aus, für 2009 haben die Analysten die Gewinnschätzungen um 14 Prozent reduziert. Dennoch sieht bislang keiner der großen Konzerne Korrekturbedarf. "Unser Anspruch, bei Mercedes-Benz Cars zehn Prozent Umsatzrendite zu erzielen, bleibt bestehen", bekräftigte kürzlich Daimler
-Boss Dieter Zetsche - auch wenn dies anspruchsvoll sei, weil die Kosten für Rohstoffe, Energie und Löhne schneller als die Autopreise stiegen.
Mitarbeit: F. Meyer-Kukuck, H. Alich
Schwacke-Auswertung: Die zweijährigen Autos mit dem höchsten Wertpotenzial

