Die Köpfe von Daimler-Chrysler
Schrempps Gefolgsleute wackeln

Nicht nur Mercedes-Chef Cordes, der seinen Rücktritt angeboten hat, ist vom Abgang Jürgen Schrempps von der Daimler-Chrysler-Spitze betroffen. Auch andere Figuren des Schrempp-Zirkels müssen um ihren Posten bangen.

mwb/je/zel DÜSSELDORF. Eckhard Cordes ist der große Verlierer des Machtwechsels bei Daimler-Chrysler. Der Mercedes-Chef galt als Schrempps Kronprinz. Der 54-Jährige war über seine Nichtberücksichtigung so enttäuscht, dass er den Aufsichtsrat um die Auflösung seines Vertrages gebeten hat. Das Gremium wollte aber nicht gleich darüber entscheiden. Cordes meint es mit seinem Ausscheiden aus dem Konzern wohl ernst. Der kühle Stratege war häufiger für Topjobs in der deutschen Wirtschaft im Gespräch, hielt aber Daimler die Treue und blieb an Schrempps Seite. Eines ist klar: Mehr als Mercedes-Chef kann er im Konzern nicht mehr werden. Der Prestigeposten wurde für ihn vom Katapult an die Spitze zum Abstellgleis – wie einst bei Helmut Werner.

Andreas Renschler gehört auch zu Schrempps mobiler Eingreiftruppe. Er brachte das US-Werk in Alabama zum Laufen. Als es beim Kleinwagen Smart brannte, schickte Schrempp 1999 den Schwaben aus Ditzingen zum Löschen. Und als es im vergangenen Jahr um die weitere Zusammenarbeit mit Mitsubishi ging, musste der Wirtschaftsingenieur ran, um in kurzer Zeit einen Sanierungsplan zu erstellen. Der wurde allerdings nach dem Ausstieg bei Mitsubishi nicht mehr benötigt. Schrempp hält große Stücke auf Renschler. Das muss aber nicht für den neuen Chef Zetsche gelten. Denn richtig saniert hat der 47-Jährige das Problemkind Smart nicht. Sein derzeitiger Posten als Nutzfahrzeug-Chef gilt als wenig spektakulär.

Rüdiger Grube gehört zu den engen Vertrauten von Jürgen Schrempp. Er zählt wie Cordes zu dem Kreis, der die großen Deals in der Vergangenheit einfädelte. Beide standen als Einzige hinter Schrempp, als der Mitsubishi nicht verkaufen wollte. Während der Rest des Vorstandes den Aufstand probte und schließlich Schrempps Leitbild von der „Welt-AG“ zu Fall brachte. Das leitete zumindest den vorzeitigen Abgang von Schrempp ein. Diese Nibelungentreue könnte für Grube ein Problem werden. Der 53-Jährige leitet im Vorstand die Konzernentwicklung. Ob Zetsche dem Hamburger auf dieser wichtigen Position künftig vertraut, bleibt abzuwarten. Zudem hat er noch das schwierige China-Geschäft unter sich, das nicht vorankommt und ihn unter Druck bringen könnte.

Hilmar Kopper, Aufsichtsratschef bei Daimler, ist der wichtigste Verbündete von Schrempp. Der frühere Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank hat den Automanager stets verteidigt – auch in Krisen wie im vergangenen Jahr, als nach dem Ausstieg bei Mitsubishi erste Stimmen für einen Abgang Schrempps laut wurden. Kopper hat im Kontrollgremium dafür gesorgt, dass die Achse zum mächtigen Betriebsratschef Erich Klemm funktionierte. Kopper brauchte die Arbeitnehmer, um seine Ziele im Aufsichtsrat durchzusetzen. Der 70-jährige Bankmanager ist nun aber selbst zu dem Schluss gekommen, dass Daimler einen Neuanfang braucht und Schrempp gehen muss. Seine eigene Amtszeit läuft noch bis zum Frühjahr 2007 – doch vielleicht folgt er dem Beispiel Schrempps.

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