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01.06.2007 
Hewlett-Packard

Die Macht der Druckpatrone

von Matthias Eberle

Das Geschäft läuft wie am Schnürchen: Beim Umsatz hat Hewlett-Packard (HP) die 100-Mrd.-Dollar-Grenze greifbar nahe, die HP-Aktie setzt ihren Aufwärtstrend ununterbrochen fort und unterfüttert wird das Ganze durch rasant steigende Gewinne. Fast unbemerkt steigt HB gerade zum weltgrößten Technik-Konzern auf.

Im Computermarkt ist HP bereits an die Weltspitze gerückt. Foto: apLupe

Im Computermarkt ist HP bereits an die Weltspitze gerückt. Foto: ap

NEW YORK. Hewlett-Packard (HP), die älteste Technologiefirma im Silicon Valley, galt mal als Dinosaurier: 1939 gegründet, 60 Jahre später vom Internet bedrängt und Analysten zufolge schier vom Aussterben bedroht. Diese Einschätzung hielt sich über Jahre. Und jetzt das: HP gibt sich ganz frisch, zeigt strahlende Kinderaugen und blühende Landschaften – zwei Tage lang lässt der Konzern Bilder sprechen und hat das New Yorker Hotel Ritz-Carlton für eine HP-Konferenz in ein buntes Fotolabor verwandelt.

Zwischen all die Hochglanzfotos im XL-Format schmuggelt HP seine neuen Produkte und Dienstleistungen, vor allem aber die Botschaft: „Wir leben noch, und zwar prächtig!“ Seine Tagung nennt das Unternehmen frei übersetzt ganz unbescheiden „Print 2.0 – über die Macht der Druckpatrone“.

Falsch ist der Titel nicht – die Firma aus Palo Alto mit ihren Mini-Kartuschen verdient auch im digitalen Zeitalter bestens. Im Schatten der Probleme des Rivalen Dell hat HP unter Konzernchef Mark Hurd eine Kehrtwende hingelegt, die in der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt blieb. Bisher dominiert dort immer noch das Bild der aufreibenden Machtkämpfe an der Spitze, nachdem HP vor fünf Jahren den Computerhersteller Compaq übernommen hatte.

Dabei läuft das Geschäft seit einiger Zeit wie am Schnürchen: Beim Umsatz hat HP die 100-Mrd.-Dollar-Grenze greifbar nahe und ist damit zum weltgrößten IT-Konzern – noch vor IBM – aufgestiegen. Das Überholmanöver ging 2006 fast unter, weil sich die Medien auf die Affäre um illegale Ermittlungsmethoden wegen undichter Stellen im HP-Verwaltungsrat stürzten. Investoren war der Spionagefall einerlei: Die HP-Aktie setzte ihren seit 2005 anhaltenden Aufwärtstrend ununterbrochen fort.

Unterfüttert wird der Kursanstieg durch rasant steigende Gewinne – im Vorjahr waren es schon 6,2 Mrd. Dollar nach 2,4 Mrd. Dollar 2005. Analysten führen dies auf den Sparkurs von Konzernchef Hurd zurück, der in den letzten eineinhalb Jahren trotz gut laufender Geschäfte fast 15 000 Arbeitsplätze und drei Management-Ebenen abgebaut hat.

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Die zugrunde liegende Strategie erklärt Vijay Joshi, der im HP-Vorstand die Druckersparte leitet, so: „Wir ziehen Kosten aus unserem Kerngeschäft, um in neue Technik zu investieren.“ Die Musikindustrie sei ein Beispiel, wie schnell man im Zeitalter des „Web 2.0“ unter die Räder kommen könne, warnt der gebürtige Inder: „Die Erfinder der Telefonie sind heute nicht mehr die Nummer eins bei den Mobiltelefonen. Wir aber wollen und werden die Nummer eins bleiben.“ Deshalb werde auch im Geschäft mit Computern und Druckern kein Stein auf dem anderen bleiben.

Im Computermarkt ist HP bereits an die Weltspitze gerückt: 2006 ist der Konzern an Dell vorbeigezogen. „Die Befürchtungen von vor zwei Jahren, HP könne es mit Dell nicht mehr aufnehmen, sind verflogen“, sagt Gartner-Analyst Carl Claunch.

In der Drucker-Sparte hat HP die Spitzenposition zu verteidigen: Gut die Hälfte seines Gewinns erzielt der Konzern mit der Strategie, Kunden über preisgünstige Drucker zu locken und dann mit HP-Kartuschen Kasse zu machen, die über die Laufzeit ein Vielfaches des Druckers kosten. 2006 wurden 49 Trillionen Seiten gedruckt.

Während nur noch jeder fünfte Ausdruck von einer Word-Anwendung stammt, kommen einer HP-Studie zufolge schon 48 Prozent aller Ausdrucke aus dem Internet. Diesen insgesamt 240 Mrd. Dollar schweren Markt ins digitale Zeitalter zu führen, ist eine Herausforderung, der HP derzeit mit diversen Zukäufen begegnet. Seit 2006 hat der Konzern neun Firmen übernommen, darunter den Online-Fotoservice Snapfish und die Startup-Firma Tabblo, die das Drucken via Internet erleichtern soll: „Keiner will einen Blog mit 700 Seiten ausdrucken“, sagt Joshi. Was er nicht sagt: auch davon würde HP profitieren.

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