Die meisten Dax-30-Unternehmen wollen weiter schweigen
Großkonzerne mauern bei Gehältern

Ungeachtet der Kontroverse über Managergehälter wird die Mehrheit von Deutschlands börsennotierten Großkonzernen auch in Zukunft die Bezüge ihrer Vorstandsmitglieder nicht individualisiert veröffentlichen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage des Handelsblatts unter den Dax-Unternehmen.

DÜSSELDORF. Mit ihrer Weigerung setzen sich die Konzerne über den CorporateGovernance-Kodex hinweg, der den Unternehmen im Sinne einer transparenten Unternehmensführung und -kontrolle die Veröffentlichung der Bezüge jedes einzelnen Vorstandsmitglieds empfiehlt.

Nur neun der 30 Dax-Mitglieder weisen die Bezüge ihrer Vorstandsmitglieder einzeln aus – die Angabe ist freiwillig. Weitere zwei Unternehmen nennen das Gehalt des Vorstandsvorsitzenden. 19 Unternehmen veröffentlichen lediglich die Gesamtbezüge des Vorstands.

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ hatte am Montag den Jura-Professor Theodor Baums von der Universität Frankfurt zitiert: Die meisten Dax-Unternehmen hätten sich darauf verständigt, die Vergütung ihrer einzelnen Vorstandsmitglieder nicht öffentlich aufzudecken. Baums war Leiter der Vorgänger- Kommission der jetzigen Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex unter der Leitung von Thyssen-Krupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme. „Von einem solchen ’Schweigepakt’ ist uns nichts bekannt nicht“, hieß es daraufhin gestern in einer Stellungnahme der Cromme-Kommission. Max Dietrich Kley, Mitglied der Cromme- Kommission, attackierte Baums heftig und sprach von einer kollektiven Managerbeschimpfung in den Medien.

Im Umfeld der Kommission werden Absprachen der deutschen Großunternehmen jedoch sehr wohl für möglich gehalten: „Das klingt plausibel“, sagte ein Experte. Es sei ein kleiner Personenkreis, wo fast jeder jeden persönlich kenne. Deshalb seien Absprachen nicht auszuschließen.

Das gleichgerichtete Verhalten der Konzerne in Sachen Managergehälter ist allerdings auffällig. An vorderster Front der Geheimniskrämer steht Daimler-Chrysler. Dabei hatte sich ausgerechnet an den hohen Gehältern des Daimler-Vorstands der Streit um Managergehälter entzündet. Erst nachdem sich das Management bereit erklärte, auf zehn Prozent seiner Bezüge zu verzichten, stimmte die Belegschaft einem 500 Mill. Euro schweren Sparpaket für den Standort Sindelfingen zu.

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