Die meisten Firmen blicken zuversichtlicher in die nahe Zukunft als die Wirtschaftsforscher
Konzerne teilen Konjunkturpessimismus nicht

Die deutschen Unternehmen sehen kein rasches Ende des Aufschwungs. Das zeigen jüngste Aussagen von Top- Managern zum weiteren Geschäftsverlauf.

ek/fas/gil/jkn FRANKFURT/M. Im Gegensatz zu Auguren und Börsianern blicken viele Firmen, darunter die Deutsche Telekom, Daimler-Chrysler, BASF, Fresenius Medical Care und Schering, zuversichtlich in die Zukunft. Einige haben ihre Prognose für den Rest des Jahres sogar noch erhöht.

„Wir haben Grund zu Optimismus, ohne dass wir allerdings in Euphorie geraten“, fasste Jürgen Hambrecht, Vorstandsvorsitzender des Chemieriesen BASF, jüngst die Stimmung zur Halbzeit des laufenden Jahres zusammen. Angesichts guter Absatzzahlen und voller Auftragsbücher hat das Unternehmen die Prognose für das laufende Jahr erhöht. Auch Heinrich von Pierer, der scheidende Siemens-Chef, hat die Messlatte für das Gesamtjahr höher gelegt. „Wir sind optimistisch für das nächste Quartal“, sagt er. Henning Kagermann, Chef des Softwarekonzerns SAP, kann keine Anzeichen für eine sinkende Nachfrage ausmachen.

An den Börsen sind die Aktien unter Druck geraten, weil Experten in dem zuletzt gesunkenen Konjunktur-Index des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Hinweise auf ein rasches Ende des Aufschwung sehen. Zudem bereitet der hohe Ölpreis, der sich der 50-Dollar-Marke nähert, Sorgen. Gleichzeitig sinkt die Zuversicht der Verbraucher im wichtigen Absatzmarkt USA.

Die Experten von Morgan Stanley hätten angesichts der Warnsignale freilich einen deutlicheren Rückgang des ZEW-Index erwartet. Dass dies ausblieb, interpretieren sie als klaren Hinweis auf eine weiterhin „robuste Erholung“.

Tatsächlich gibt es zur Zeit keine Anzeichen dafür, dass sich der für deutsche Firmen so wichtige Export abschwächen wird. So spürt das Logistikunternehmen Kühne + Nagel bei seinen Luft- und Seefrachtaktivitäten „keinerlei Vorboten einer möglichen Verschlechterung der Inlandskonjunktur in Japan und den USA“. Auch die weltweit tätige Spedition Stinnes-Schenker kann solche Anzeichen nicht ausmachen.

„Die Aufträge aus dem Ausland steigen weiter“, sagt Olaf Wortmann, Konjunkturexperte des Branchenverbandes der Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA). Es könne zwar sein, dass der Anstieg im zweiten Halbjahr flacher werde, dies sei aber kein Ende des Exportwachstums. „Der Höhepunkt der Weltkonjunktur ist noch nicht überschritten“, sagt Wortmann.

In den nächsten Monaten könnte zudem die Inlandsnachfrage in Deutschland wieder anziehen. Zwar klagen die Einzelhändler über die Kaufzurückhaltung. Doch die Investitionsbereitschaft der privaten Haushalte scheint zu steigen. So hat der Reisekonzern Tui auf Grund der starken Nachfrage 30 000 zusätzliche Reiseplätze für die Herbstferien bereitgestellt. Die Kunden würden verstärkt teurere Reisen buchen.

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