Die neuen Weltkonzerne
Loblied auf die Parvenüs

Heute schon sehen wir, wer die Neuordnung der Weltwirtschaft am stärksten prägt: Es sind die Unternehmen aus Schwellenländern, die sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten zu Weltkonzernen entwickelt haben oder zumindest das Potenzial haben, es in absehbarer Zeit zu werden. Bis jetzt kennen wir nur wenige von ihnen. Aber wir werden sie kennenlernen.

Es war im Jahre 1734, als der französische Schriftsteller Pierre Carlet de Marivaux den Roman „Le paysan parvenu“ schrieb: die muntere Geschichte eines ansehnlichen Bauern, der seine Attraktivität vor allem bei älteren Damen nutzte, um in der Gesellschaft voran-, sprich: nach oben zu kommen. Fortan war der „Parvenü“, der Emporkömmling, bei Hofe der gebräuchliche Ausdruck für das aufstrebende Bürgertum. Es war ein abschätziger Ausdruck für all diejenigen, denen hoher gesellschaftlicher Stand, Reichtum oder Anerkennung nicht in die Wiege gelegt worden war.

Auch nach dem Ende der Monarchie unterscheidet der arrivierte Geldadel bis heute fein säuberlich zwischen „altem Geld“ und den Neureichen. Und genau wie früher gelten jene „nouveaux riches“ als ungebildet und unkultiviert. Wer auf sich hält, hat mit ihnen nichts zu tun.

In der Wirtschaftsgeschichte waren es hingegen immer die Parvenüs, die Fortschritt brachten. Es waren die Fords, die Rockefellers und die Vanderbilts, die in den USA am schnellsten die Bedürfnisse und Möglichkeiten der Industrialisierung erkannten. In Deutschland war es nach dem Zweiten Weltkrieg die Aufbaugeneration der Albrechts, Grundigs und Würths, die zupackend und gegen alle Widerstände Unternehmen neu aufbauten, die ihre Zeit geprägt haben. Noch einmal dreißig Jahre später leitete eine Handvoll Studenten im Silicon Valley – zunächst Microsoft-Gründer Bill Gates, später die Google-Erfinder Sergey Brin und Larry Page – einen neuen Epochenwandel in der Weltwirtschaft ein. Sie alle waren Parvenüs.

In diesen Jahren ändert sich die Weltwirtschaft erneut radikal. Und wie in allen Gründerphasen zuvor werden heute die Fundamente für neue Konzerne und neue Geschäftsmodelle gegossen. Heute schon sehen wir, wer die Neuordnung der Weltwirtschaft am stärksten prägt: Es sind die Unternehmen aus Schwellenländern, die sich in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten zu veritablen Weltkonzernen entwickelt haben oder zumindest das Potenzial haben, es in absehbarer Zeit zu werden.

Die Eigentümer dieser neuen Weltkonzerne sind vielfach Männer, die sich aus zum Teil einfachsten Verhältnissen hochgearbeitet haben. Es sind Gründer, die konsequent ihre Unternehmen aufgebaut und geformt haben. Sie sind dynamisch, ehrgeizig und machtbewusst. Seit einigen Jahren haben viele von ihnen ein Ziel: den Erfolg, den sie auf ihren Heimatmärkten schon haben, im Weltmaßstab zu multiplizieren.

Seite 1:

Loblied auf die Parvenüs

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Seite 5:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%