Die neuen Weltkonzerne: Petrobras
Der Spezialist für Tiefsee-Öl

Der brasilianische Ölkonzern Petrobras fördert den größten Teil seines Öls vor den Küsten. Jetzt expandiert das staatlich kontrollierte Unternehmen verstärkt auch in Raffinerien in Industrieländern wie den USA und Japan.

SÃO PAULO. Von der Amazonasmetropole Manaus hebt dreimal pro Woche frühmorgens ein Propellerflugzeug mit einem Trupp Ingenieure nach Westen ab. Zwei Stunden dauert der Flug über den Regenwald mit den aufsteigenden Frühnebeln. Schweigend sitzen die Ingenieure in ihren orangefarbenen Overalls und blättern gelangweilt im „Diário de Amazonas“. Auf der Landepiste in Urucu findet bei laufenden Propellern der Schichtwechsel statt. Zwei Wochen wohnen die Facharbeiter in Dreibettzimmern. Disziplin wird verlangt bei den Zwölf-Stunden-Schichten in der Raffinerie, an den Bohrlöchern, an der Gaspipeline, in der feuchten Tropenhitze, wo die Temperatur selten unter 30 Grad sinkt.

Freizeit? „Lesen oder Sport“, sagt ein Ingenieur, der mit seinem krächzend-nuscheligen Akzent leicht als Carioca zu erkennen ist, also wie die meisten Petrobras-Mitarbeiter aus Rio de Janeiro stammt, wo der Konzern seinen Sitz hat. „Spiele und Alkohol sind streng verboten“, sagt er. Auch Joggen auf den gut asphaltierten Urwaldtrassen ist nur in Gruppen erlaubt. Wegen der Jaguare.

Urucu, so heißt eines der neuen Öl- und Gasfelder des brasilianischen Energiekonzerns Petrobras. 650 Kilometer westlich von Manaus fördert der Konzern Öl und raffiniert es zu Benzin und Diesel für den brasilianischen Norden. Erdgas verflüssigt Petrobras dort und verfrachtet es per Schiff nach Manaus. Noch dieses Jahr soll die Gas-Pipeline fertig sein, um die Energieversorgung des wirtschaftlichen Zentrums am Amazonas zu sichern.

Petrobras ist vor allem für seine Tiefseeförderung bekannt: Vor der Küste nördlich von Rio de Janeiro produziert der Konzern rund drei Viertel seiner täglich rund 1,85 Millionen Barrel (ein Barrel fasst 159 Liter), 500 000 Fass sogar unter dem Meeresboden in bis zu 2 000 Meter Tiefe. Wegen dieses über Jahrzehnte aufgebauten Know-hows kann Petrobras heute vor Angola, Nigeria und im Golf von Mexiko nach Öl suchen – wo derzeit die interessantesten unerschlossenen Ölreserven vermutet werden. Die Brasilianer konkurrieren dabei auf gleicher Höhe mit Ölmultis wie Exxon Mobil und Royal Dutch Shell. „Petrobras ist einer dieser nationalen Champions, die schnell und unbemerkt regelrechte Energieimperien aufgebaut haben“, sagt André Frick von Credit Suisse.

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