Die Nummer eins bei Kupfer
Chile hat Codelco fest im Griff

Chiles staatlicher Kupferkonzern steckt in der Zwickmühle: Die Rekordpreise, für die die Corporacion Nacional de Cobre de Chile – kurz: Codelco – ihre Produktion derzeit auf dem Weltmarkt absetzen kann, bereiten dem Management mehr Ärger als Freude. Zwar sprudeln die Erlöse kräftig, aber die Gewinne muss der Weltmarktführer an den Fiskus abliefern. Derweil steigen die Kosten, weil Maschinen, Vorprodukte und Energie teuer geworden sind.

BUENOS AIRES. Und als Folge der hohen Kupferexporte ist die Landeswährung Peso stark gestiegen, in der Codelco knapp die Hälfte der Ausgaben bestreitet, während die Einnahmen meist in Dollar kommen. Die Aufwertung macht sich in den Bilanzen bemerkbar.

Seit 1976 beutet in Chile nur noch ein Unternehmen die großen Kupfervorkommen in den Anden aus: Codelco. Der Konzern produziert elf Prozent des Kupfers weltweit und verfügt über etwa ein Fünftel der weltweit bekannten Kupferreserven.

Und der Eigentümer, der chilenische Staat, profitiert stark: Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Codelco einen Vorsteuergewinn von knapp fünf Mrd. Dollar, fast 50 Prozent mehr als 2004. Im ersten Halbjahr 2006 lag der Gewinn bereits bei 4,6 Mrd. Dollar, mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. 21 Prozent seiner Einnahmen verdankte der chilenische Staat in den ersten sechs Monaten dieses Jahres dem weltgrößten Kupferkonzern. Codelco, so schrieb unlängst das lateinamerikanische Wirtschaftsblatt „America Economia“, „bedeutet für Chile so viel wie die Fußballnationalmannschaft für Argentinien oder Brasilien“.

Und der Staat hat das größte Unternehmen des Landes fest im Griff: Im siebenköpfigen Direktorium sitzen der Bergwerksminister, der Finanzminister, ein hochrangiger Militärvertreter, ein Repräsentant der Arbeiter und einer der Kupferaufsichtsbehörde, ein Ingenieur sowie ein weiteres von der Regierung ernanntes Mitglied. Die Direktoren ernennen den Geschäftsführer und erarbeiten einen Jahreshaushalt, der dann in den nationalen Haushalt integriert und vom Parlament verabschiedet werden muss. Codelco ist ein Staat im Staate.

Doch hohe Preise und staatliche Kontrolle bringen Probleme. „Die Kosten bei Codelco sind in den letzten zwei oder drei Jahren exzessiv gestiegen, teilweise auch wegen Ineffizienz im Management“, urteilt Leonardo Suárez von dem chilenischen Investmenthaus Larrain Vial.

Zudem steigen die Produktionskosten in den alternden Abbaugebieten: „Die Minen verbrauchen sich irgendwann, dann wird die Kupferkonzentration geringer, die Distanzen innerhalb des Bergwerks größer, das Gestein härter“, erläutert Codelco-Chef José Pablo Arellano. „Um seine Produktion auf dem gleichen Niveau zu halten oder um zu wachsen, muss Codelco stark investieren, zumal zunehmend weniger im Tagebau und mehr im Untertagebau produziert wird“, sagt Giovanny Grosso von der Ratingagentur Fitch. Von 2005 bis 2009 sollen 5,5 Mrd. Dollar investiert werden.

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