Die profitable Tochter DSI wird bis Mitte Juli verkauft
Walter-Bau-Gläubiger gehen leer aus

Auf der Gläubigerversammlung der insolventen Walter Bau AG am Mittwoch warten auf die Gläubiger schlechte Nachrichten. Sie dürften leer ausgehen. „Ich gehe davon aus, dass es keine Quote für Gläubiger ohne Pfandrechte geben gibt ", sagte Insolvenzverwalter Werner Schneider dem Handelsblatt. Es sei ein massearmes Verfahren, weil alle Perlen des Unternehmens verpfändet waren.

MÜNCHEN. Das freie Vermögen bezifferte Schneider auf 130 Mill. Euro, die aber absehbar fast komplett für den weiter laufenden Betrieb benötigt würden. Derzeit sind bei der Walter Bau AG noch 450 Mitarbeiter beschäftigt. Bis zum Jahresende soll die Belegschaft auf eine Stammmannschaft von 120 Leuten abgebaut werden, die dann noch in den kommenden Jahren mit der Abrechnung der verbliebenen Baustellen und der damit verbundenen Bankbürgschaften (Avale) beschäftigt sein werden.

Besser sieht es für die avalgebenden Banken aus. Schneider bezifferte den Aval-Pool mit 1,5 Mrd. Euro. Sowohl Grundstücke als auch die werthaltigste Tochter DSI sind an die Avalgeber verpfändet. Der Verkaufsprozess der in einem internationalen Bieterverfahren angebotenen DSI (Dywidag Systems International) laufe strukturiert und nach Plan. Es gebe mehrere Interessenten und konkrete Angebote vor allem aus dem Ausland. Für deutsche strategische Investoren sei die profitabel arbeitenden DSI wohl zu teuer, sagte Schneider. Er erwartet einen Verkaufserlös von „144 plus X“. Wie aus Bankenkreisen zu erfahren war, wird der Verkauf des überwiegend in der Bergbautechnik arbeitenden Tochterunternehmens bis Mitte Juli über die Bühne gehen.

Der Insolvenzverwalter bezeichnete das Verfahren insgesamt als Erfolg, weil mit der Strabag schnell ein Käufer für wesentliche Teile des zusammengebrochenen Konzerns gefunden wurde. So hatte der österreichische Baukonzern neben Schlüsselfertig- und Ingenieurbau, dem Verkehrswegebau auch noch eine Mehrheit von 53 Prozent am Stuttgarter Baukonzern Züblin übernommen. „Es war von elementarer Bedeutung, jemanden schnell zu finden, der die Baustellen kompetent weiterführen kann", sagte Schneider. Rund 60 von insgesamt 300 Baustellen konnten nach Firmenangaben fortgeführt, von über 9000 Arbeitsplätzen zwei Drittel erhalten werden.

Kritik übte der Verwalter an der Deutschen Bahn. Diese habe nach der Insolvenz nahezu alle Baustellen gekündigt. Auch einen Seitenhieb auf die Gewerkschaften wollte sich Schneider nicht verkneifen. Denn einer der ersten, die eine Baustelle kündigten, sei die Gewerkschaft Verdi gewesen. Selbst die IG Bau konnte die Schwestergewerkschaft nicht umstimmen, das Projekt in Hamburg von Walter weiterbauen zu lassen, betonte Schneider. Dagegen hätten andere öffentliche Auftraggeber nach Intervention von Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) ihre Kündigungen zurückgezogen.

In der Branche war Schneider wegen des schnellen Zuschlags für die Strabag und deren Wissensvorsprung kritisiert worden. Schneider verteidigte sein Konzept einer Paketlösung. Nur Züblin sei ebenfalls am Paket interessiert gewesen, sei aber an der Finanzierung gescheitert. Die Großen der Branche wie Hochtief oder Bilfinger Berger waren nur an Einzelteilen interessiert.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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