Die Rüstungsschmiede soll fit für internationale Kooperationen werden
Giat will mit Jobabbau sein Überleben sichern

Die französische Rüstungsgruppe Giat will mit Werksschließungen und massivem Personalabbau ihr Überleben sichern. In dieser Woche will Vorstandschef Luc Vigneron Verhandlungen mit den Gewerkschaften über seinen im Frühjahr vorgestellten Rationalisierungsplan abschließen, der die Streichung von 3 700 der insgesamt knapp 6 300 Stellen bis 2006 vorsieht.

abo/tom PARIS/DÜSSELDORF. Einigen sich die beiden Seiten, dürfte der Personalabbau schon in den nächsten Wochen beginnen – und Frankreich einen heißen Herbst bescheren. Gelingt die Rationalisierung bei Giat, wäre dies aber ein wichtiger Schritt zum Abbau von Überkapazitäten auf dem europäischen Markt für Landsysteme wie Panzer und Geschütze.

Giat-Boss Vigneron, der vor zwei Jahren von Alcatel zu dem Staatsbetrieb kam, hat sich zum Ziel gesetzt, den Konzern noch 2003 aus der Verlustzone zu bringen. Er will die Rüstungsgruppe für internationale Partnerschaften fit machen.

Frankreichs Panzerschmiede leidet unter einem massiven Auftragsschwund und fährt seit langem exorbitante Defizite ein – 4 Mrd. Euro in den vergangenen zwölf Jahren. 2002 erwirtschaftete die Gruppe noch 777 Mill. Euro Umsatz, für das laufende Jahr rechnet Vigneron mit allenfalls 460 Mill. Euro. Denn seine Hauptprodukte – Kampfpanzer, Schützenpanzer und Geschütze – sind immer weniger gefragt. Die letzte komplette Neuentwicklung, der schwere Panzer „Leclerc“, liegt schon lange zurück.

Nach Abarbeitung des Auftrags über 390 Leclerc für die Vereinigten Arabischen Emirate und der Lieferung der letzten von insgesamt 406 Leclerc an Frankreichs Streitkräfte ist die Panzerproduktion weitgehend arbeitslos. Die Armee braucht frühestens 2010 einen Nachfolger für ihr eisernes Schlachtross. Nur für die Wartung ramponierter Fahrzeuge, die Produktion des mobilen Geschützes „Caesar“ und die Beteiligung am Programm für den voll verkabelten Infanteristen der Zukunft hat Giat zu viel Personal – das kostet den Konzern viel Geld.

Der 850 Mill. Euro teure Rationalisierungsplan, in dessen Verlauf mindestens zwei Werke geschlossen und andere Betriebsstätten deutlich verkleinert werden sollen, wird vom Staat mit einer Kapitalspritze von 1 Mrd. Euro begleitet. In den neunziger Jahren hatte die Regierung insgesamt 3,4 Mrd. Euro zugeschossen, um die Verluste der Rüstungsschmiede zu decken. Die neuerliche Hilfszahlung soll nach Angaben des Verteidigungsministeriums die letzte sein.

Gestern hatten die Betriebsräte mehrerer kleinerer Produktionsstätten ihre Belegschaften zu Streiks gegen den Plan aufgefordert. Sie versuchen, bis zu 1 000 der zur Streichung vorgesehenen Stellen zu erhalten.

Nach einer Studie von Goldman Sachs leidet Frankreich unter der Fragmentierung seines Rüstungsmarktes. Die Hersteller sind meist in staatlicher Hand, die Verschwendung von Ressourcen und Fehlentwicklungen eine Folge davon.

Am weitesten vorangeschritten ist die Konsolidierung des Rüstungsmarktes in Großbritannien. Dort hat erst kürzlich der nationale Champion BAE Systems mit der Übernahme rund eines Drittels der Anteile am einzigen militärischen Fahrzeugbauer Alvis einen weiteren Schritt auf dem Weg zum integrierten Ausrüster gemacht, der in den Bereichen Luft, Heer und Marine aktiv ist.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%