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24.04.2007 
Anleger und Investoren

Die Schweiz im Abwehrkampf

von Oliver Stock

Die Schweiz muss sieht sich in letzter Zeit ungewohnten „Angriffen“ ausgesetzt: Ausländische Investoren haben direkt mehrere Ziele in der Alpenrepublik ausgemacht. Die potentiellen Opfer verschanzen sich – und bangen um ihre Eigenständigkeit.

ZÜRICH. „Redoute“ haben die Schweizer ihre Strategie getauft, mit der sie im zweiten Weltkrieg einem Überfall durch Deutsche und Italiener begegnet wären: den Rückzug in die Alpenfestung. Eine Redoute-Strategie beschwören sie auch jetzt, wenn vom „Abwehrkampf“ Schweizer Firmen gegen ausländische Investoren die Rede ist. Zu geballt kommen den Schweizern zurzeit die Angriffe daher. Der Industriekonzern Sulzer, die Bau-Gruppe Implenia, der Versicherer Converium – alle drei ringen um ihre Selbstständigkeit.

Der jüngste Fall: Sulzer. Am vergangenen Freitag herrschte helle Aufregung an der Börse in Zürich, als zwischen 11.30 und 12 Uhr knapp 19 Prozent des Kapitals den Besitzer wechselten. Die Erklärung folgte am Abend: Die Renova-Gruppe des russischen Milliardärs Wiktor Wekselberg, der sich neuerdings eine zweite unternehmerische und persönliche Heimat in Zürich aufbaut, teilte mit, dass sie über eine Beteiligung von 32 Prozent an Sulzer verfügt.

Gemeinsam mit Renova sitzen die österreichischen Investoren Ronny Pecik und Georg Stumpf im Boot. Sie sind in der Schweiz keine Unbekannten, seit sie sich die Mehrheit am Industrie-Konglomerat Oerlikon gesichert haben. Auch beim kleineren Berner Technologiekonzern Ascom haben Pecik und Stumpf das Sagen. Allerdings wird ihnen vorgeworfen, bei ihren Beteiligungen wenig Wert auf Transparenz zu legen.

Um aus den kritischen Schlagzeilen zu kommen, hat Wekselberg bei Sulzer den ehemaligen Schweizer Botschafter in Deutschland Thomas Borer als Lobbyisten engagiert. Er wolle seine Beteiligung nicht ausbauen und Sulzer auch nicht voll übernehmen, ließ Wekselberg über Borer mitteilen. „Wir garantieren Sulzer die Unabhängigkeit, die Arbeitsplätze, ja wir verlangen nicht einmal einen Sitz im Verwaltungsrat“, sagte Borer. Eine Fusion von Sulzer und Oerlikon, über die Analysten spekulieren, wäre damit vom Tisch.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Florierender Export macht die Schweiz attraktiv

Eine „Redoute“ hätte sich am liebsten auch der Baukonzern Implenia gebaut, der im vergangenen Jahr aus dem Zusammenschluss zweier Branchengrößen entstanden ist und außerhalb des Landes erst beginnt, sein Geschäft zu entwickeln. Die britische Hedge-Fund-Gesellschaft Laxey hat ihren Anteil an Implenia jetzt auf knapp 23 Prozent erhöht, was das Management des Baukonzerns als „unfreundlichen Akt“ wertet. Laxey ist den Schweizern in schlechter Erinnerung, seit die Briten den Industriekonzern Saurer übernahmereif geschossen haben. Als sie ihr Paket weitergereicht hatten, kam bei Saurer im vergangenen Jahr übrigens Oerlikon zum Zug.

Der Rückversicherer Converium schließlich sieht sich einem „feindlichem Übernahmeangebot“ des französischen Konkurrenten Scor ausgesetzt. In ganzseitigen Zeitungsanzeigen versucht Converium, seine Aktionäre von den Vorteilen der weiteren Unabhängigkeit zu überzeugen.

Warum die Übernahmewelle die Schweiz voll erwischt, ist unter Analysten kein Geheimnis: Besonders mittelgroße, technikorientierte Schweizer Unternehmen seien international bekannt, weil sie wegen ihres kleinen Heimatmarkts viel exportierten. Sie seien solide finanziert und verfügten über Innovationspotenzial. Darüber hinaus begünstigt die liberale Schweizer Gesetzgebung Firmenübernahmen. So ist kein unabhängiger Verwaltungsrat vorgeschrieben: Wer genügend Stimmrechte hat, rückt leicht in das Gremium auf und kann die Geschicke der Firma mitbestimmen.

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