Die Staatskonzerne Gazprom und Rosneft streiten um Kauf von Sibneft
Kampf um russische Energieversorgung

Der Machtkampf um die Vorherrschaft auf dem russischen Energiesektor spitzt sich zu. Die staatlich kontrollierten Konzerne Gazprom und Rosneft liefern sich eine heftige Schlacht um den bislang fünftgrößten russischen Ölförderer Sibneft. Das Ringen wird dabei mehr und mehr auch zu einem politischen Machtkampf. Ohnehin dominieren nach Ansicht Moskauer Analysten politische Einflüsse die russische Wirtschaft immer stärker.

HB MOSKAU. Denn Rosneft-Aufsichtsratschef und Vize der Kreml-Präsidialadministration, Igor Setschin, torpediert die von Staatschef Wladimir Putin angekündigte Fusion von Gazprom und Sibneft. Zuvor hatte sich Rosneft die wichtigste Fördertochter des durch Milliarden-Steuernachforderungen vor dem Aus stehenden Yukos-Konzerns, Yuganskneftegaz (YNG), einverleibt. Nun verlangt der Staatsölförderer verlangt 20 Prozent der Sibneft-Aktien des bisher 34,5-prozentigen Sibneft-Pakets, das Yukos hält. Yukos soll Rosneft 3,5 Mrd. Dollar für Öllieferungen schulden, behauptet der Staatskonzern.

Bei Gazprom sitzt der langjährige Putin-Vertraute Alexej Miller an der Spitze und Kreml-Präsidialadministrationschef Dmitrij Medwedjew leitet den Aufsichtsrat. Laut russischen Presseberichten sind sich Gazprom und Sibneft über den Kauf von 72 Prozent der Sibneft-Papiere durch den Gasgiganten weitgehend einig. Auf einen bevorstehenden Sibneft-Verkauf deutet laut Analysten auch hin, dass der Ölförderer in dieser Woche 2,3 Mrd. Dollar Dividende ausgeschüttet hat – fast 50 Prozent mehr als der Reingewinn des Vorjahres. Sibneft gehört mehrheitlich dem Oligarchen Roman Abramowitsch (FC Chelsea London).

Vor diesem Hintergrund hat Rosneft 20 Prozent der bereits durch die Staatsanwaltschaft beschlagnahmten, von Yukos gehaltenen 34,5 Prozent der Sibneft-Anteilsscheine für sich einfrieren lassen. „Das wird den Sibneft-Verkauf erheblich erschweren“, meint Steven Daschewskij von der Moskauer Investmentgesellschaft Aton.

Der frühere Vize-Energieminister und heutige Direktor des Instituts für Energiepolitik, Wladimir Milow, warnt sogar, dass aus dem „zu erwartenden Unternehmens-Konflikt (zwischen Gazprom und Rosneft) ein politischer wird. Denn die Firmen verfolgen unterschiedliche Strategien und werden von unterschiedlichen politischen Kräften gelenkt.

Denn beide Konzerne wollen zu führenden Energiekonzernen des Landes werden. Gazprom ist dies bereits als weltgrößter Erdgasförderer, will aber laut Miller auch zu einem der weltweit größten Öl- und Stromkonzerne aufsteigen. Rosneft hat sich nach dem Schlucken von YNG, das Rosneft in seiner Jahresbilanz jetzt mit 7,1 Mrd. Dollar über dem bei der Zwangsverstaatlichung bezahlten Kaufpreis von 9,3 Mrd. Dollar bewertet, auf Rang drei der russischen Ölkonzerne vorgearbeitet. Am Mittwoch hatte Rosneft-Chef Sergej Bogdantschikow neben dem Einfrieren der Sibneft-Aktien auch ein 23 Mrd. Dollar teures Joint Venture mit dem kasachischen Staatsölkonzern Kazmunaigaz vereinbart.

Der Gazprom-Konzern, dem die Deutsche Bank den Kauf von Yukos-Töchtern, von Surgutneftegas oder Sibneft empfohlen hatte, will im Konkurrenzkampf mit Rosneft seine Marktführung ausbauen: Dazu vereinbarte Gazprom gestern mit Royal Dutch Shell einen strategischen Aktiva-Tausch. Der niederländische-britische Ölmulti gibt 25 Prozent plus eine Aktie an seinem wichtigen Öl- und Gasprojekt Sakhalin Energy vor der russischen Pazifikinsel Sachalin an die Russen. Im Gegenzug bekommt Shell die Hälfte des Sapoljarnoje-Feldes in Sibirien, teilten beide Konzerne mit.

Die Energieriesen

Gazprom: Bei dem nach den Reserven größten Energiekonzern der Welt hat der Staat seinen Anteil von 38,4 auf 51 Prozent erhöht. Da die 7,1 Mrd. Dollar für den Aktienkauf erst Ende 2005 bezahlt werden, müsste Gazprom den Sibneft-Kauf zwischenfinanzieren.

Rosneft: Der Staatskonzern soll teilweise an die Börse gebracht werden. 2004 erlöste Rosneft nach der Übernahme der Yukos-Tochter YNG 5,4 Mrd. Dollar und erzielte 837 Mill. Dollar Reingewinn. Die Schulden sind mit 22 Mrd. Dollar höher als der Börsenwert.

Sibneft: 57,5 Prozent gehören bisher der Londoner Millhouse Capital-Gruppe um Roman Abramowitsch, 34,5 Prozent Yukos. 2004 hat der fünftgrößte russische Ölkonzern 34 Mill. Tonnen Rohöl gefördert und damit 1,6 Mrd. Dollar Gewinn erzielt.

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