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Die Suche nach Sicherheit: Wer mit der Angst der Menschen Profit macht

Der Terror hat die Menschen ängstlicher gemacht. Sie verlangen nach mehr Sicherheit - beim Reisen, beim Essen, beim Geldanlegen. Für die Bevölkerung birgt die Angst nur Negatives - doch für den Markt wird sie zum neuen Milliardengeschäft.

Das globale Geschäft mit der Videoüberwachung bringt der Industrie Milliardenumsätze. Quelle: ap
Das globale Geschäft mit der Videoüberwachung bringt der Industrie Milliardenumsätze. Quelle: ap

DÜSSELDORF. Manchmal kann der Chef nur schwer an sich halten, wenn er die Qual seiner Kunden betrachtet. Eine Rentnerin, die am Sicherheitsschalter des Flughafens München ihre Zahnpastatube abgeben muss. Eine Teenagerin, deren Lieblingsparfüm konfisziert wird. Überall nötigt das Personal seine Gäste, Schuhe und Gürtel auszuziehen. Selbst die Reisenden, die vor wenigen Stunden am Hochsicherheitsflughafen Tel Aviv eingecheckt haben und in München nur umsteigen, müssen die Prozedur erneut erdulden. Ausziehen, Arme hoch, umdrehen, alles streng nach neuer EU-Vorschrift. So ein Unsinn, denkt Flughafenchef Michael Kerkloh in solchen Momenten. Und was das kostet!

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Kerkloh ist halb Opfer, halb Teil eines Systems, das sich immer tiefer in die deutsche Wirtschaft, ja in das Leben der Deutschen frisst. Die Angst AG, ein nirgends registriertes, aber ständig wachsendes Konglomerat, das immer neue Unsicherheit unter den Bürgern schürt, ihnen immer gieriger in die Geldbeutel greift. Die Sicherheitskosten in München machen inzwischen ein Viertel der Flughafengebühren aus - 5 000 Mitarbeiter sind nur hiermit beschäftigt. 60 Millionen Euro hat allein der Umbau des Flughafens gekostet. Ein Umbau, um Passagiere zu kontrollieren, die schon kontrolliert worden sind.

Das Einzige, vor dem wir uns ängstigen müssen, ist die Angst selbst, sagte Franklin Roosevelt bei seiner Antrittsrede 1933. Die Rahmenbedingungen waren damals ähnlich wie heute: der drohende Krieg in der Welt, die große Wirtschaftsdepression vor der eigenen Haustür. Angst sei die falsche Reaktion, warnte Roosevelt. Das namenlose, unvernünftige, unbegründete Gefühl werde das Land lähmen, anstatt es in die nötige Bewegung zu versetzen.

Doch Roosevelts Philosophie gilt heute nicht mehr. Für die Mitglieder der Angst AG ist die Angst nichts Negatives, kein schlechter Berater. Im Gegenteil. Die Angst vor Terror, vor Krankheiten, vor Kriminalität hat einen riesigen Markt geschaffen. Hunderte von Unternehmen sind eingestiegen. Denn Angst ist ein Megageschäft - und die Wachstumsraten sind unglaublich.

Die Angst AG legt Wachstumsraten vor, die an die Zeit des Internetbooms vor zehn Jahren erinnern. Und tatsächlich sind auf der Investorenseite dieselben Spieler aktiv, die seinerzeit noch unbekannte Unternehmen mit Millionen überschütteten, um Milliarden zu ernten. Rund 50 Risikokapitalfonds sind derzeit nach Branchenschätzungen auf dem Sicherheitsmarkt aktiv, darunter Kleiner Perkins Caufield & Byers und New Enterprise Associates - die Finanziers der Internet- und Computerriesen Google und Apple.

Experten schätzen den Sicherheitsmarkt schon heute auf einen dreistelligen Milliardenbetrag. In mancher Hinsicht facht sich die Branche selbst an. Die technischen Möglichkeiten, Daten zu sammeln und zu speichern, sind in den vergangenen Jahren um ein Vielfaches gewachsen. Doch je größer der Datenberg, desto dringender die Not nach Analyse. Dabei geht es nicht nur um die Erkennung von Gesichtern auf einer Überwachungskamera. Data-Mining, wie es im Fachjargon heißt, umfasst die Auswertung von Bildern genauso wie jene von mitgeschnittenen Telefongesprächen, überwachten E-Mails oder die Erkennung von verdächtigen Abbuchungen. Data-Mining hat viele Anwendungen: Terrorbekämpfung, Aufspüren von Kreditkartenbetrügern oder gezielteres Marketing durch Auswertung von Datensätzen.

30 Milliarden Dollar, das ist der Umsatz, den das Marktforschungsinstitut ABI Research allein für das Jahr 2015 mit dem globalen Geschäft für Videoüberwachung vorhersagt - fast doppelt so viel wie 2008. Zuversichtlich stimmen die Marktforscher dabei Länder wie Großbritannien, wo schon heute mehr als vier Millionen Kameras installiert sind. Die Überwachungsdichte ist so groß, dass ein Einwohner Londons beispielsweise damit rechnen muss, bis zu 300-mal pro Tag aufgenommen zu werden.

Die riesige Masse an Bildern bringt ein Problem mit sich: Wer soll sich die vielen Millionen Stunden Überwachungsvideos, die täglich anfallen, eigentlich anschauen? Jedermann. Diese Lösung hat zumindest der Privatunternehmer Tony Morgan gefunden. Seine Website "Internet Eyes" belohnt Bürger, die sich in das Überwachungsnetz einschalten und nach Straftaten Ausschau halten. Ein Klick auf den Alarmknopf benachrichtigt die Polizei. Wer die meisten Straftaten pro Monat findet, gewinnt 1 000 Pfund.

In der Welt der Angst AG ist "Internet Eyes" jedoch eine Ausnahme - weniger wegen seiner bedenklichen Datenschutzaspekte als wegen der fehlenden Profitorientierung. Die Marktforscher von ABI scheuen sich nicht, den Markt der Videoüberwachung mit dem kalifornischen Goldrausch zu vergleichen. "Diesmal kommen die Leute eben nicht mit Spitzhacken und Schaufeln, sondern mit Kameras", heißt es.

Dabei sind Kameras, die von Industriegiganten wie Bosch, General Electric, Honeywell und Samsung geliefert werden, selbst nur der Anfang des Geschäfts. Die Bilder, die die künstlichen Augen unablässig einsaugen, müssen in ein Datenzentrum übertragen werden, verschlingen erst kostenträchtigen Platz in den Funknetzen, dann im Archiv. Der Speicherbedarf für die Überwachungsvideos sprengt jede Vorstellungskraft.

Die Königsdisziplin im Umgang mit den Bildermassen ist deren Auswertung. Hier ist der Kampf ums große Geld in vollem Gange. Es tummeln sich japanische Großkonzerne wie NEC und Panasonic neben Emporkömmlingen wie die Cognitec Systems aus Dresden. Die Dynamik des Marktes zeigt etwa die 27 Millionen Dollar schwere Investition des Schweizer Finanzinvestors Index Ventures in das dänische Softwareunternehmen Der milliardenschwere Markt der Erkennung von Bewegtbildern nehme jedes Jahr um 40 Prozent zu, und Milestone entwickle sich noch schneller, heißt es bei Index.

Das Know-how der Datensortierer ist so begehrt, dass dieser Zweig der Angst AG völlig ungerührt durch die weltweite Rezession der vergangenen Jahre steuerte. Marktführer Choicepoint etwa hat 2007 seinen Gewinn um 92 Prozent gesteigert. Das US-Unternehmen mit einer Milliarde Dollar Umsatz verwaltet mehr als 19 Milliarden Datensätze für seine Kunden - darunter Versicherungsunternehmen, Universitäten, die US-Einwanderungsbehörde und die Steuerbehörde. Choicepoint speichert alles. Namen, Adressen, Geburtsdaten, Autokennzeichen, aber auch das Internetverhalten ausgesuchter Zielpersonen für die US-Ermittlungsbehörde FBI. Das Privatunternehmen könne die Daten besser und schneller auswerten als amtliche Stellen und unterliege zudem nicht den rechtlichen Einschränkungen, an die sich Beamte halten müssten, heißt es zur Begründung.

Im September 2008 wurde Choicepoint für 4,1 Milliarden Dollar vom britisch-niederländischen Informationsanbieter Reed Elsevier übernommen. Der Kaufpreis entsprach dem 18-Fachen des Betriebsergebnisses - und wurde in bar bezahlt. Reed Elsevier feierte den Deal als Einstieg in einen hochattraktiven Markt - eine Zukunftsinvestition, die auch den Aufschlag von 49 Prozent auf den Aktienkurs von Choicepoint rechtfertigte.

Dass Choicepoint schon seit Jahren wegen verbotener Zweitverwertung der anvertrauten Daten in der Kritik stand, beeindruckte die europäischen Käufer kein bisschen. Im Januar 2000 kündigte der Bundesstaat Pennsylvania einen Vertrag, weil Choicepoint amtliche Daten vertragswidrig an Privatpersonen verkauft hatte. In den darauf folgenden Jahren musste das Unternehmen mehrfach siebenstellige Strafen zahlen, weil man es an der Datensicherheit hatte mangeln lassen. Millionen von Datensätzen flossen bei Choicepoint unkontrolliert ab.

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Auch politisch gab es Probleme. Bei den US-Präsidentschaftswahlen im Jahr 2000 wurde Choicepoint vorgeworfen, man habe in der vom Unternehmen verwalteten Wählerdatenbank Floridas 8 000 Personen fälschlicherweise als Straftäter gekennzeichnet und damit von den Wahlen ausgeschlossen - ausgerechnet in dem Staat, in dem sich das Rennen zwischen George W. Bush und seinem demokratischen Gegenkandidaten Al Gore entschied. 2003 entrüstete sich ganz Mexiko, als bekannt wurde, dass Choicepoint die komplette Wählerdatenbank des Landes sowie die Daten von sechs Millionen Kraftfahrzeughaltern gekauft hatte. Der Hintergrund: Choicepoint hatte einen Millionenauftrag der US-Regierung, um bei der Überwachung von Bürgern aus Lateinamerika zu helfen.

Die Vermengung von Sicherheitspolitik und Privatwirtschaft ist der Aspekt, der den Beobachtern der Angst AG am meisten Sorge bereitet. Vorangetrieben wurde sie vom ehemaligen US-Verteidigungsminister Dick Cheney, der nach seinem Amtsantritt 1989 Kellogg Brown & Root (KBR), eine Tochter des US-Konzerns Halliburton, für neun Millionen Dollar eine Studie erstellen ließ. Die Frage: Welche Aufgaben des Militärs könnten auch Privatfirmen erledigen? KBR identifizierte gleich eine ganze Reihe von Dienstleistungen - vom Aufbau der Soldatenunterkünfte über die Versorgung mit Nahrungsmitteln bis zur Reinigung der Latrinen. Kurz nach Abschluss der Studie schrieb das US-Militär den ersten Auftrag aus, und 37 Firmen bewarben sich. Es gewann: KBR selbst. Drei Jahre später wurde Cheney Vorstandsvorsitzender von Halliburton. Die Verträge, die der Konzern seit jenen Jahren mit dem US-Militär abgeschlossen hat, belaufen sich auf mehrere Milliarden Dollar.

Cheney vergab nur Dienstleistungen wie Postverteilung und Wäschewaschen, sein Nachfolger Donald Rumsfeld dann ging einen Schritt weiter. Unter seiner Amtsführung durften Privatunternehmen die Waffen nicht nur liefern und putzen, sondern auch benutzen. Rumsfelds Privatisierungsoffensive bereitete Firmen wie Blackwater den Weg. 1997 vom Milliardärssohn Eric Prince gegründet, stellt Blackwater heute die größte Privatarmee der Welt bereit.

Privatsoldaten sind die schillerndsten Mitarbeiter der Angst AG. Doch die Entstaatlichung des Gewaltmonopols hat viele Gesichter. In den USA etwa ist die Behausung von Straftätern längst keine hoheitliche Aufgabe mehr. Unternehmen wie die Corrections Corporation of America aus Nashville verwalten rund 80 000 Gefangene und bringen es auf einen Jahresumsatz von 1,7 Milliarden Dollar. Der Gewinn hat sich in den vergangenen fünf Jahren verdreifacht.

Die Gefängnisbranche ist in den USA einer der rasantesten Wachstumsmärkte, in Deutschland dagegen steht die Entwicklung noch ganz am Anfang. Der Umsatz mit privaten Sicherheitsdienstleistungen beträgt zwar auch hier bereits mehr als vier Milliarden Euro, Privatgefängnisse sind als Markt aber fast unerschlossen. Ende 2009 stellte Bilfinger Berger den Bau der 100 Millionen Euro teuren Jugendvollzugsanstalt Burg bei Magdeburg fertig - eine der ersten in Deutschland, bei der die Verpflegung der Gefangenen, ihre medizinische Versorgung und zahlreiche andere Aufgaben nicht öffentlich, sondern privatwirtschaftlich organisiert ist. Dienstleistungspartner ist hier das Essener Familienunternehmen Kötter.

Advokaten der Privatisierung nennen vor allem zwei Argumente: weniger Bürokratie, mehr Effizienz. Freier Wettbewerb könne am besten dafür sorgen, dieselbe Leistung für weniger Geld zu erbringen. Doch die Privatwirtschaft hat auch eine Kehrseite: Sie sieht in Straftätern kein Übel, sondern Umsatz. Zwei Richter im US-Bundesstaat Pennsylvania bekannten sich 2009 schuldig, Tausende von Falschurteilen gesprochen zu haben. Für Bestechungsgelder von privaten Haftanstalten in Höhe von 2,6 Millionen Dollar schickten sie Kinder und Jugendliche monatelang hinter Gitter. Die Richter kamen mit ihrer korrupten Praxis neun Jahre lang durch. Von ihren Nebeneinkünften kauften sie unter anderem eine Luxusyacht, die sie "Echte Gerechtigkeit" tauften.

Korruption ist eine Triebfeder in der Angst AG, Vorsicht eine andere. In der Nahrungsmittelbranche steigen die Sicherheitskosten seit Jahren. Doch neben der legitimen Sorge um die Gesundheit gibt es auch die geschürte Furcht. Seit Jahren nimmt das Angebot für medizinische Vorsorgeuntersuchungen stetig zu - obwohl auch die Zweifel an deren Nutzen stetig wachsen. Wenn es um richtigen Profit geht, so zeigt sich allerdings, ist kein Mittel besser als dies: weltweite Panik.

1999 wird das vom US-Arzneiunternehmen Gilead entwickelte Grippemittel Tamiflu zugelassen. Die Leistungen des Medikaments sind wenig spektakulär. Nach Herstellerangaben kann Tamiflu die Dauer der Grippe bestenfalls um einen bis eineinhalb Tage verringern. Mehr nicht. So läuft der Verkauf jahrelang schleppend.

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2004 plötzlich warnt die Weltgesundheitsorganisation WHO vor der Vogelgrippe - und nennt ungewöhnlicherweise ein Gegenmittel: Tamiflu. Ein Jahr später haben sich die Umsätze mit dem Medikament verfünffacht. Nutznießer ist vor allem der Schweizer Pharmakonzern Roche, der die globalen Vermarktungsrechte hat. Die Angst vor einer Pandemie treibt die Länder reihenweise zu Vorratsbestellungen. In den Jahren 2006 und 2007 steigt der Umsatz mit dem Medikament insgesamt auf drei Milliarden Euro.

Der Run auf das Grippemittel macht Wissenschaftler ratlos. Deutschland und andere Länder haben für Hunderte von Millionen Euro Tamiflu bestellt - ohne sich ausreichend nach dessen Wirkung zu erkundigen, wundert sich etwa Gerd Glaeske, Professor am Bremer Institut für Gesundheitsökonomie. "Es wurde kein unabhängiger Expertenrat eingeholt", sagt er. "Tamiflu ist kein Mittel, das sich als besonders wirksam herausgestellt hätte." Weder wisse man, ob es die Sterblichkeitsrate reduziert, noch sei gewährleistet, dass jemand, der Tamiflu einnimmt, keinen anderen mehr ansteckt.

Marktstudien schätzen, dass die auf die Vogelgrippe folgende Schweinegrippe-Panik den beteiligten Pharmaunternehmen allein 2009 zwischen fünf und sieben Milliarden Euro Umsatz gebracht hat. Der Schweizer Konzern Novartis bezifferte die Erlöse seines Impfstoffes für Schweinegrippe allein im ersten Quartal 2010 auf 1,1 Milliarden Dollar. Der Reingewinn des Schweizer Konzerns stieg insgesamt um 49 Prozent. Für die Pharmabranche ist der Angstfaktor ein reiner Profitturbo.

Die Luftfahrtindustrie erlebt das genaue Gegenteil. Angst ist für sie vor allem eines: ein ewiger Kostentreiber. Die ständigen Terrorwarnungen und die Angst vor neuen Anschlägen machen der Branche zu schaffen. Nach Angaben des internationalen Flughafenrates ACI hatten die Sicherheitskosten vor dem 11. September 2001, dem Tag, an dem Terroristen Flugzeuge in die Türme des World Trade Centers in New York steuerten, einen Anteil von fünf bis acht Prozent an den Gesamtkosten für den Flughafenbetrieb. Mittlerweile sind es bis zu 35 Prozent. 300 Millionen Euro pro Jahr gibt allein die deutsche Lufthansa derzeit für Luftsicherheit im Passagierverkehr aus. Die Kosten für Frachtsicherheit haben sich seit 2001 sogar mehr als verzehnfacht.

Die Zeche zahlen letztlich die Kunden, also die Fluggäste, sagt Lufthansa-Vorstand Karl-Ulrich Garnadt. Das gilt besonders in Deutschland. In den USA trägt der Staat einen großen Teil der auf jährlich sechs Milliarden Dollar geschätzten Sicherheitsaufwendungen. In Deutschland dagegen werden diese Kosten an die Fluggesellschaften und Flughäfen delegiert. Stichwort: "Eigensicherungspflicht". Diese geben den Aufwand ihrerseits dann an die Kunden weiter - wenn auch teilweise unbemerkt, weil vom generellen Preiskampf in der Branche verdeckt.

Manager wie Garnadt könnten mit den Sicherheitsvorschriften besser leben, wenn sie sie nachvollziehen könnten. Doch die Maßnahmen-Wut der vergangenen Jahre entzieht sich rationalen Argumenten, sagen Experten. Ein Beispiel sind die seit den Terrorangriffen von 2001 eingesetzten Sky-Sheriffs. Nach einer Studie der Universität Newcastle reduzieren die Sheriffs der Lüfte das Risiko einer Terrorattacke um minimale 1,67 Prozent. Und das bei immensen Kosten von allein in den USA mehreren Hundert Millionen Dollar im Jahr. Trotzdem werden sie eingesetzt.

Doch eine Kosten-Nutzen-Rechnung ist in der Angst AG unüblich. Sicherheit, so ihr Credo, kann nie hoch genug sein. Und damit auch nicht zu teuer. Selbst Terror-Enten wie der Fehlalarm am Flughafen München führen sofort zu einer Diskussion, welche Maßnahmen als nächste eingeführt werden müssten: Als Anfang des Jahres ein Mann angeblich vor Sicherheitskräften davonlief und nicht mehr aufzufinden war, brachte Bundesinnenminister Thomas de Maizière sofort die Verschärfung der Kontrollen in ganz Deutschland mit Nacktscannern ins Spiel. Später stellte sich die Episode - inklusive Evakuierung des Flughafens - als kompletter Irrtum heraus. Die Forderung nach mehr Sicherheit aber blieb.

Experten wie Ulrich Schulte-Strathaus beobachten den Verlauf der Sicherheitsdebatte mittlerweile mit einigem Zynismus. Der Generalsekretär des europäischen Airline-Verbandes AEA nennt das Vorgehen der Politik "Anekdotenmanagement". Hätte der mittlerweile berühmte Schuhbomber seinen Sprengsatz statt im Schuhwerk in den Socken versteckt, müssten sich nun wahrscheinlich alle Passagiere bei der Kontrolle auch noch der Socken entledigen.

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Mitarbeit: Markus Fasse, Siegfried Hofmann,Jens Koenen, Christine Weißenborn

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  • 02.08.2010, 14:22 UhrTilmann

    Das Argument mit den Sky-Sheriffs finde ich aber unpassend (ohne mehr darüber gelesen zu haben). Natürlich schrecken Sky-Sheriffs vor Attentaten ab (wie oben beschrieben), sind dabei aber erwartungsgemäss nicht sehr Effektiv.

    Die primäre Aufgabe dieser Sky-Sheriffs ist es aber wohl eher nicht präventiv, sondern einen Attentäter während seiner Attacke zu überwältigen. Dabei ist die Erflogsrate sicherlich höher als 1.67%.

    Sky-Sheriffs werden erst dann effektiv wenn man sich vom Angstbegriff "Terror" befreit und über Menschenleben redet. Da könnte man sicherlich viel effektiver sein wenn man die Sky-Sheriffs als Sanitäter, Drogenaufklärer oder Sozialarbeiter einsetzen würde.
    Alternativ könnte man natürlich auch die Höchstgeschwindigkeit für Autos senken, da sterben 1000 mal mehr Menschen als durch Terrorattacken. Oder den nächtlichen öffentlichen Nahverkehr subventionieren, damit weniger Leute besoffen Autofahren und am brückenpfeiler enden.

    Aber damit lässt sich halt weniger Geld verdienen.

  • 30.07.2010, 00:33 UhrMariana Mayer

    Und in deutschen Stadtbahnen werden gleichfalls gerade die Kameras getestet.

    Erst wurden die Obdachlosen und Sozialhilfeempfänger aus dem öffentlichen Straßenverkehr gedrängt, dann kamen ein paar Jugendliche und Erwachsene die Terror machten und schließlich werden die Kameras gekauft. Alles wohldurchdacht und kein Zufall.
    So einfach läuft das Geschäft. Einschüchterungen in den Strassenbahnen: Alltag, doch wer organisiert das und bezahlt dafür?

  • 29.07.2010, 18:46 UhrBernhard Pallmann über die "Mengeles von Haar"

    Staatliche Angstmacherei zeigt sich besonders in bayerns CSU-Psychiatrien, z.b. der vom Haar bei München.

    Laut "Leponex"- (F. "Novartis") Verschreibungen und einem der Folter-Experten dort, einem Dr. Herbert Steinböck, gibt es nirgendwo auf der Erde mehr "Schizos", gefährliche, klar, mich eingeschlossen, als im "Freistaat" der verzwergten csu. Die csu, vorn dran Herrmann, Seehofer und Frau Haderthauer incl. Söder haben sich auch bei der H1N1-Angstmache mit "Tamiflu" und dem "bayrischen impfplan" schon mal die Zwangsdurchimpfung der bayern vorgenommen - und dafür "gestreut": "Terrordrohung für die "Wiesn 2009". Zigtausende Polizisten haben da die Oktoberfest-besucher probeweise "gekesselt" - bis die Ente aufflog. Soweit zum Thema "Angstmache". Danke für den interessanten bericht! bernhard Pallmann;

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